Vor fünf Jahren wurde Paul VI. seliggesprochen

Der Montini-Papst

Vor genau fünf Jahren wurde er von Papst Franziskus seliggesprochen: Papst Paul VI. Die Heiligsprechung folgte 2018 - und hat viel Kritik auf sich gezogen. Grund genug, einen Blick auf die Vita des sogenannten "Pillenpapstes" zu werfen.

Bildnis von Papst Paul VI. bei der Heiligsprechung auf dem Petersplatz / © Cristian Gennari (KNA)
Bildnis von Papst Paul VI. bei der Heiligsprechung auf dem Petersplatz / © Cristian Gennari ( KNA )

DOMRADIO.DE: Von nicht wenigen wird Papst Paul VI. etwas spöttisch als "Pillenpaul" bezeichnet. Ist dieser Name der passende für ihn?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Dieser Spottname spielt auf die Enzyklika "Humanae vitae" an, mit welcher Papst Paul VI. unter anderem die künstliche Empfängnisverhütung verurteilt hat. In der Tat wirkt dieses Ereignis bis heute nach und sorgt für Spannungen zwischen kirchlicher Lehre und dem Sexualleben der Gläubigen. Allerdings wäre es sehr verkürzt, das Wirken des Montini-Papstes nur auf diese eine Enzyklika zu reduzieren.

DOMRADIO.DE: Was zeichnet Paul VI. denn noch alles aus?

Stens: Er ist der eigentliche Konzilspapst, der die von seinem Vorgänger Johannes XXIII. einberufene Kirchenversammlung weitergeleitet und die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils schließlich umgesetzt hat. Meilensteine des Konzils sind das Ökumenismusdekret, das das Verhältnis der römischen Kirche zu den anderen christlichen Konfessionen und Weltreligionen neu bestimmt, und auch die Erneuerung der Liturgie.

DOMRADIO.DE: Aber genau dies hat doch auch zur Abspaltung der Piusbruderschaft geführt.

Stens: Ja, leider wollte eine kleine Minderheit um Erzbischof Marcel Lefebvre diese Beschlüsse des Konzils nicht mittragen. Man muss dazu auch sagen, dass die Erneuerung der Liturgie nicht ganz so behutsam von statten gegangen ist, wie immer wieder gerne behauptet wird. Dass das nicht bei allen Gläubigen auf Gegenliebe gestoßen ist, merkt man unter anderem daran, dass Katholiken, die gar nicht unter Verdacht stehen, irgendwie traditionalistisch angehaucht zu sein, ihren Namenstag nach dem alten Kalender feiern. Dennoch sind die wesentlichen Kernpunkte der liturgischen Erneuerung, nämlich dass die Gläubigen die Liturgie mitfeiern und dass der liebe Gott außer Latein auch die jeweilige Landessprache versteht, durchaus als Meilensteine zu betrachten.

DOMRADIO.DE: Schauen wir mal auf das Wirken Pauls des Sechsten. Wo stammt er her und was hat ihn geprägt?

Stens: Giovanni Battista Montini kam aus dem Landadel der Lombardei und war schon sehr früh im Diplomatendienst der Kirche. Im Staatssekretariat war er ein enger Mitarbeiter von Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius dem Zwölften. Dieser ernannte ihn dann ziemlich überraschend zum Erzbischof von Mailand. Ob die Entfernung aus dem Staatssekretariat aufgrund von Differenzen zwischen Montini und Pius erfolgte oder ob dieser in Mailand pastorale Erfahrungen sammeln sollte, darüber streiten die Wissenschaftler. Johannes der Dreiundzwanzigste machte Erzbischof Montini dann zum Kardinal und nach seinem Tod 1963 wurde er bereits im fünften Wahlgang zum Papst gewählt.

DOMRADIO.DE: Papst Paul VI. wurde vergangenes Jahr sogar heiliggesprochen. Da gab es aber auch ziemlich Kritik. Warum?

Stens: Papst Franziskus hat inzwischen drei seiner Amtsvorgänger heiliggesprochen. Das hat bei einigen Theologen und Historikern Kritik ausgelöst, weil diese darin eine Selbstbeweihräucherung des Papsttums sehen. Da sei angesichts der Krise, in der sich die Kirche aufgrund des Missbrauchsskandals befinde, alles andere als angemessen. Der Autor und Publizist Alexander Kissler hat bei uns einmal im Interview gesagt, dass Päpste grundsätzlich keine Päpste heiligsprechen sollen, weil die Heiligmäßigkeit doch gewissermaßen automatisch zum Amt des Pontifex Maximus dazuzählt.

Das Interview führte Birgitt Schippers.

Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige (DR)
Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige ( DR )
Quelle:
DR
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