Der Katholische Medienkongress und der digitale Wandel

Suche nach Haltung

Rund 300 Teilnehmer, darunter "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch, Telekom-Chef Thimoteus Höttges und Medienbischof Gebhard Fürst: Das ist der Katholische Medienkongress in Bonn. Im Mittelpunkt: der digitale Wandel.

Digitalisierung ist Thema des Katholischen Medienkongress 2017 / ©  Franz-Peter Tschauner (dpa)
Digitalisierung ist Thema des Katholischen Medienkongress 2017 / © Franz-Peter Tschauner ( dpa )

"Es ist erst der Anfang...", lautet leicht unheilschwanger der Titel des Katholischen Medienkongresses in Bonn. Auf dem bis Dienstag laufenden Treffen geht es um "gesellschaftliche Herausforderungen in der digitalen Welt".

Von denen gibt es einige: Wie lassen sich Hass und Hetze im Netz verhindern? Wie erreichen klassische Medien jene Menschen, die sich nur noch über die sogenannten Sozialen Medien informieren? Wie viele Daten verträgt der User von heute, welche Informationen braucht er und auf welchen Kanälen gelangen sie zu ihm? Wollen wir wirklich, dass Algorithmen von Google und Co. die Herrschaft über den Nachrichtenfluss übernehmen?

Bisher wenige Antworten

Die ganz großen Fragen also - auf die es immer noch wenige Antworten gibt, wie das Expertentreffen mit Blick auf den Rhein zeigt. "Panta rhei" - "alles fließt", ließen sich mit den alten Griechen und passend zur Aussicht die Erkenntnisse des ersten Tages zusammenfassen. An Kritik zu den Auswüchsen der Digitalisierung fehlt es nicht. Auch nicht am Willen, diese mitzugestalten. Nur wie? Da klafft offenbar so manche Leerstelle - obwohl das Internet schon ein paar Jahre alt ist.

Der Münchner Medienethiker Alexander Filipovic wünscht sich mehr "zivilgesellschaftlichen Widerstand" gegen mögliche negative Folgen der Digitalisierung. Zugleich beklagt er, dass die Politik Fragen des digitalen Wandels immer noch vergleichsweise stiefmütterlich behandle.

Wie in der Vielfalt Gehör finden?

Die Herausforderung für viele Medien sei, angesichts einer immer größeren Vielfalt mit den eigenen Beiträgen Gehör zu finden, lautet die Problemanzeige von "Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt. So habe die britische Tageszeitung "The Guardian" Hervorragendes bei der Brexit-Berichterstattung geleistet, aber damit niemanden oder zu wenige erreicht.

"Hybrid-Journalismus", "Big Data" und "Smart Data", "kuratieren" oder "informieren": Die technischen Möglichkeiten sind immens - aber kommt es nicht letzten Endes doch auf die Menschen dahinter an? Darauf jedenfalls macht zum Ende des ersten Tages nach manchen eher abstrakten Debatten Ulrich Windolph, Redaktionsleiter vom "Westfalenblatt", aufmerksam. Es brauche auch weiterhin Journalisten mit Haltung, lautet sein Credo.

"Extreme Neugier, große Hartnäckigkeit, Wahrhaftigkeit"

Die stellvertretende dpa-Chefredakteurin Jutta Steinhoff bricht in diesem Zusammenhang eine Lanze für die Lebenserfahrung: Warum nicht Menschen in den Medien eine Chance geben, die zwei Jahre in Norwegen Lachs gefischt haben? Bernhard Remmers, Journalistischer Direktor der Katholischen Journalistenschule ifp, nennt als Merkmal eines guten Journalisten unter anderem "extreme Neugier", "große Hartnäckigkeit" und "Wahrhaftigkeit".

Vielleicht ist das der kleinste gemeinsame Nenner: Haltung - ohne die geht es auch in Zeiten des digitalen Wandels nicht. Selbst wenn nicht jeder der rund 300 Teilnehmer "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch folgen mochte, die selbstbewusst für ihre Zeitung warb und erklärte, warum es beim (Boulevard-)Journalismus mit Information und Einordnung allein noch nicht getan ist. Man müsse vor allem die Lebenswirklichkeit der Leser berücksichtigen.

Diskussion über Digitalisierung nicht am Ende

Ein Anfang ist also gemacht - und die Diskussion über den digitalen Wandel noch lange nicht am Ende. Am Dienstag werden beim Katholischen Medienkongress, einer Initiative der Medienkonferenz der Bistümer in Zusammenarbeit unter anderem mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP), der Katholischen Journalistenschule (ifp) und der Katholischen Kirche im Privatradio (KAPRI), unter anderen der Vorsitzende der Bischofskonferenz , Kardinal Reinhard Marx, und Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof das Wort ergreifen. Sein Thema: "Digitalisierung als Chance und Risiko".


Quelle:
KNA