Lukaschenko bestreitet Unterdrückung von Kirchen in Belarus

Dementi von höchster Stelle

Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko hat den Vorwurf einer Unterdrückung von Kirchen im Land zurückgewiesen. Jeder Belaruse könne Gotteshäuser besuchen und die Kirchen könnten weiter tätig sein, so Lukaschenko.

Demonstrantin kniet vor Bereitschaftspolizisten (dpa)
Demonstrantin kniet vor Bereitschaftspolizisten / ( dpa )

Er werde keinen Angriff auf irgendeine Kirche in Belarus dulden, sagte er am Dienstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta.

Einreiseverbot für Erzbischof

Zuvor hatte die katholische Kirche darüber geklagt, dass der Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz am Montag nach einem Besuch in Polen die Wiedereinreise nach Belarus verweigert worden sei. Man habe ihn ohne Begründung am Grenzübergang Kuznica/Bruzgi abgewiesen, obwohl er Belarusse sei, so der Erzbischof. Auf den Zwischenfall ging Lukaschenko dem Agenturbericht zufolge nicht ein.

In Minsk versammelten sich am Montagabend etwa zwei Dutzend Menschen vor der katholischen Kathedrale und solidarisierten sich mit Kondrusiewicz. Sie hielten Fotos des Erzbischofs und Zettel mit Buchstaben in ihren Händen, die zusammen das Wort "Wir warten" ergaben, wie unabhängige Medien berichteten. Die Polizei habe die Demonstration aufgelöst. Rechtsexperten sagten dem Nachrichtenportal tut.by, Belarus dürfe Staatsbürgern die Einreise nicht verwehren.

Unter staatlicher Repression

Die katholische Kirche in Belarus erlebt seit gut einer Woche staatliche Repressionen. Der staatliche Hörfunk brach an den vergangenen beiden Sonntagen mit der langen Traditon, die Messe aus der Minsker Kathedrale live zu übertragen. Mit der Streichung des Gottesdienstes aus seinem Program will der Sender laut Beobachtern ausschließen, dass mögliche Kritik an der Staatsführung ausgestrahlt wird. Vor knapp einer Woche sperrten Polizisten der Spezialeinheit Omon rund 100 Menschen für etwa 40 Minuten in einer katholischen Kirche am zentralen Unabhängigkeitsplatz ein. Darunter waren Dutzende friedliche Demonstranten, die dorthin vor der Spezialeinheit geflohen waren.

Lukaschenko hatte den Kirchen zuvor mit Konsequenzen gedroht, wenn sie sich in die Politik einmischten. "Der Staat wird dem nicht gleichgültig zusehen", warnte er. Geistliche, die die Demokratiebewegung unterstützten, sollten sich "schämen". Politik sei in Kirchen fehl am Platz. Dort solle nur gebetet werden.

Proteste nach Präsidentenwahl

Kondrusiewicz, der auch Vorsitzender der nationalen katholischen Bischofskonferenz ist, hatte die Gewalt der Polizei gegen friedliche Demonstranten verurteilt und die Staatsführung kritisiert. Sein Sprecher Jury Sanko sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), Kondrusiewicz habe sich in Polen seit etwa einer Woche zu einem pastoralen Arbeitsbesuch aufgehalten und dort mehrere Messen gefeiert. Der Erzbischof habe sich nun per Brief an den belarussischen Grenzschutz gewandt, um seine Einreise zu klären.

In Belarus gibt es seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August Massenproteste gegen Lukaschenko. Die Demonstranten fordern Neuwahlen und die Freilassung der verhafteten Regierungskritiker.

Polizisten töteten mindestens zwei Demonstranten. Der katholischen Kirche gehören etwa 10 bis 15 Prozent der 9,4 Millionen Belarussen an. Die überwiegende Mehrheit der Bürger des Landes sind orthodoxe Christen.

Autor/in:
Oliver Hinz
Quelle:
KNA
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