Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA geht weiter

Protestieren, aber friedlich

In den USA sorgt der Tod von George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis weiterhin für Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Unterdessen stellten sich Kirchenvertreter hinter die Proteste.

Proteste in Washington  / © Liang Sen (dpa)
Proteste in Washington / © Liang Sen ( dpa )

Während US-Präsident Donald Trump am Wochenende Linksradikale für die Unruhen verantwortlich machte und ankündigte, militante Antifa-Gruppen zu Terroristen erklären zu lassen, rief sein Amtsvorgänger Barack Obama alle Bürger des Landes dazu auf, gemeinsam eine "neue Normalität" zu schaffen, "in der das Erbe von Bigotterie und Ungleichbehandlung nicht länger unsere Institutionen oder unser Herz infiziert".

Unterdessen stellten sich Kirchenvertreter hinter die Proteste. Kritik kam auch aus dem Ausland. Floyd, ein 46-jähriger Afroamerikaner, war am vergangenen Montag (25. Mai) gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Von dem Vorfall existiert ein Videomitschnitt. Der Beamte wurde inzwischen unter Mordverdacht festgenommen.

In rund 30 US-Städten kam es seit dem Vorfall zu anhaltenden, teils gewalttätigen Protesten. Der nationale Kirchenrat bezeichnete den Tod Floyds als "empörend". "Immer noch gibt es kein Mittel gegen den Rassismus und das weiße Überlegenheitsgefühl, das sich in dieser Gesellschaft so hartnäckig hält."

"Historische rassistische Ungerechtigkeitt"

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika stellte sich an die Seite jener, die durch rassistische Gewalttaten Angehörige verloren hätten. Man trauere und bete für die Opfer des "Gifts weißer Vorherrschaft", hieß es in einer Erklärung. Der Interims-Generalsekretär der American Baptist Churches, Jeff Woods, sprach in einem offenen Brief von "Auswirkungen einer historischen rassistischen Ungerechtigkeit" in den USA, die in den vergangenen Wochen offensichtlich geworden sei.

Er verwies dabei auch auf die im Verhältnis höheren Infektionszahlen unter Afroamerikanern in der Covid-19-Pandemie. Herbert Nelson, Sekretär der Presbyterianischen Kirchen der USA, erinnerte in einer Videobotschaft an die jüngsten Toten rassistischer Gewalt in den USA. Sie alle seien Opfer von Fanatismus und Hass. Die Hispanische Nationale Versammlung der Presbyterianer prangerte eine "systematische Diskriminierung" farbiger US-Bürger an, die sich seit den Tagen der Sklaverei erhalten habe.

Bischöfe für friedlichen Protest Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, äußerte sich laut einer Mitteilung des Weltkirchenrats ÖRK "tief besorgt" über Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Der Tod von George Floyd sei ein Zeichen der Ungerechtigkeit und müsse dringend aufgearbeitet werden, so Junge.

Bereits am Freitag hatten sieben katholische Bischöfe im Namen der US-Bischofskonferenz in einer gemeinsamen Erklärung die tödliche Polizeigewalt gegen Floyd verurteilt und zum gesellschaftlichen Kampf gegen Rassismus aufgerufen. Dieser müsse aber friedlich bleiben, betonten die Bischöfe.

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu verurteilte angesichts der Proteste in den USA einen weltweiten "Alltagsrassismus". Floyds letzte Worte, "Ich kann nicht atmen", sprächen "für Milliarden Menschen, die man ihrer Rechte beraubt hat, weil sie arm, schwarz, eine Frau, homosexuell sind oder einen 'anderen' Glauben haben", so der emeritierte anglikanische Erzbischof.

Kritik auch von internationalen Organisation

Scharfe Kritik an dem Vorgehen der Behörden gegenüber den Demonstranten übte Amnesty International (AI). Die US-Polizei verletze landesweit ihre Pflichten, verschlimmere die angespannte Lage noch und gefährde das Leben von Demonstranten, hieß es.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteilte Angriffe auf Journalisten. In den vergangenen Tagen seien auch Berichterstatter angegriffen worden, darunter ein deutsches Fernsehteam der Deutschen Welle in Minneapolis. Während einer Liveberichterstattung hätten US-Polizisten mit Gummigeschossen auf den Reporter Stefan Simons und sein Team gefeuert, obwohl sie klar als Presse zu erkennen gewesen seien, hieß es.

Autor/in:
Joachim Heinz
Quelle:
KNA