Das Missionswissenschaftliche Institut in Aachen wird 40 Jahre alt

Ort für interkulturelle Theologie

Mehr als 150.000 Bücher und Zeitschriftenbände über die Theologie in Afrika und Asien finden sich inzwischen in der Büchersammlung des "Missionswissenschaftlichen Institutes" in Aachen, kurz MWI genannt. Die Dokumentation von Dissertationen, Tagungsbänden und anderen Manuskripten ist eine der beiden Kernaufgaben des Instituts.

 © DOMRADIO (DR)
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Mit einem Symposium am Freitag und Samstag in Bonn begeht das MWI sein 40-jähriges Jubiläum. Die ausschließlich spendenfinanzierte Einrichtung des katholischen Hilfswerks missio ist im Zuge der Aufbruchsbewegung des Zweiten Vatikanischen Konzils entstanden. Grundlage ist die Einsicht, dass Menschen in Entwicklungsländern aus ihrem eigenen kulturellen Kontext heraus die Bibel lesen und so ihren besonderen afrikanischen oder asiatischen Weg zu Gott finden. "Kein Inder muss Grieche werden, um Christ zu sein", so MWI-Direktor Harald Suermann. Neben der Dokumentation, dem "Sehen, wie es geht", ist laut Suermann die materielle Unterstützung von Stipendiaten die zweite Kernaufgabe des Instituts. Insgesamt 121 Anträge aus Afrika und Asien hat das Institut allein 2010 bewilligt. Gefördert wurden 56 Doktorarbeiten und andere postgraduale Studien. So bereitet sich der irakische syrisch-katholische Priester Mazin Echoo Dawood Matoka (40) im Libanon in einem speziellen Programm für Ausbilder darauf vor, ein großes Seminar im Irak zu leiten. Nicht nur Studenten profitieren Ein anderes Beispiel: Alexander Izuchukwu Abasili aus Nigeria promoviert im belgischen Löwen über das "Verständnis von Ehebruch in der hebräischen Bibel". Bei seiner Forschung hat er herausgefunden, dass die Sichtweise von Ehebruch in der Bibel dem afrikanischen Stammesdenken durchaus nahe komme. Dass die mit Hilfe des MWI entstandenen Publikationen auch gelesen und vor Ort erreichbar sind, ist dem Institut wichtig. In Asien ist das weniger ein Problem, wohl aber in Afrika. Denn dort ist es schwierig, Bücher herauszubringen. Hier hilft oft ein Druckkostenzuschuss. Paris, Rom und Löwen sind die europäischen Studienorte für die Priester, Ordensleute und Laien, die das MWI unterstützt. Es komme zwar durchaus vor, dass der ein oder andere eine deutsche Universität etwa für seine Doktorarbeit auswähle, so Suermann. Das sei aber selten. "An deutschen Universitäten spielt die interkulturelle Theologie eine eher stiefmütterliche Rolle", bedauert der Institutsdirektor. Nicht nur die Studenten, auch das MWI und missio profitieren von den Stipendienprogrammen. Denn viele Alumni nehmen heute in ihren Heimatländern wichtige Aufgaben als Theologieprofessoren, Bischöfe oder Generalvikare wahr. So hat missio für seine vielfältigen Aufgaben auch gleich vertrauenswürdige und kompetente Partner im Land. Deshalb spielt die Kontaktpflege eine herausragende Rolle in der Arbeit des Instituts. So gibt es an den Studienorten Stipendiatengruppen, und es finden auch regelmäßig Treffen und Tagungen zu verschiedenen Themen statt. Teilnehmer aus der ganzen Welt Aber auch europäische Studenten profitieren von der Arbeit des MWI. Sie erhalten Hilfe und Informationen, wenn sie an einer afrikanischen Universität studieren wollen oder über ein missionswissenschaftliches Thema arbeiten möchten. Denn die 150.000 Bibliotheksbände beinhalten nicht nur die aktuelle Theologie Asiens und Afrikas, sondern umfasst auch die Missionsbibliothek der Jesuiten. Die bis ins 19. Jahrhundert zurückgehenden Bestände bieten nicht zuletzt dem Kirchenhistoriker wichtige Quellen, besonders zur Missionsgeschichte. Das Symposium in Zusammenarbeit mit dem Bonner Fundamentaltheologischen Seminar geht der Frage nach, wie Theologie in einer globalisierten Welt auszusehen hat. Dabei kommen Stipendiaten mit Professoren aus Europa, Asien und Afrika in Podiumsdiskussionen und Workshops ins Gespräch.
Autor/in:
Klaus Schlupp
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