Deutschland bereit zur Aufnahme von 50 Kindern aus Griechenland

"Das kann nur ein Anfang sein"

​Deutschland ist zur Aufnahme von zunächst bis zu 50 unbegleiteten Minderjährigen aus griechischen Flüchtlingslagern bereit. Die Diakonie forderte eine Aufnahme von wesentlich mehr Menschen und warnte vor einer humanitären Katastrophe. 

Ein Mädchen im Flüchtlingslager bei Moria auf Lesbos / © Angelos Tzortzinis (dpa)
Ein Mädchen im Flüchtlingslager bei Moria auf Lesbos / © Angelos Tzortzinis ( dpa )

Das Bundesinnenministerium teilte mit, einen entsprechenden Vorschlag werde Innenminister Horst Seehofer dem Bundeskabinett vorlegen. Der Transfer solle nach Möglichkeit schon in der kommenden Woche beginnen. Die Aufnahme erfolge im Rahmen einer europäischen Lösung und werde von der EU-Kommission koordiniert.

Nach ihrer Ankunft in Deutschland sollen die Kinder und Jugendlichen nach Angaben des Ministeriums zunächst zentral in eine zweiwöchige Quarantäne, bevor sie auf die Bundesländer verteilt werden. Zuvor hatte bereits Luxemburg angekündigt, in der nächsten Woche zwölf unbegleitete Minderjährige aus den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln Lesbos und Chios aufzunehmen.

Katastrophale Zustände in Lagern

Acht EU-Staaten, darunter Luxemburg und Deutschland, hatten sich im März zur Aufnahme von zusammen 1.600 unbegleiteten Minderjährigen und anderen besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen von den griechischen Inseln bereiterklärt.

Bislang war aber noch kein fester Termin für einen Transfer bekannt. In den Lagern auf den griechischen Inseln herrschen Berichten zufolge katastrophale Zustände. Angesichts der Corona-Krise gibt es erneut Rufe, sie komplett zu evakuieren.

Warnung vor humanitärer Katastrophe

Aus Sicht der Diakone kann die geplante Aufnahme von 50 Flüchtlingskindern nur ein Anfang sein. "Ein Ausbruch von Covid-19 in den griechischen Elendslagern auf den Inseln ohne Zugang zu medizinischer Versorgung wäre eine humanitäre Katastrophe", warnte der Chef des evangelischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Lilie, am Mittwoch in Berlin.

Um diese Katastrophe noch zu verhindern, müssten Deutschland und die EU jetzt handeln und wesentlich mehr Menschen direkt von den Inseln ausfliegen.

"Evakuierung ist keine Option mehr"

Die Evakuierung der Lager auf den Inseln und die Unterbringung der dortigen Bewohner in Lagern auf dem griechischen Festland sei keine Option mehr, da diese auch schon von der Corona-Pandemie betroffen seien, sagte Lilie weiter. "Den Menschen, die teils seit Monaten unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern leben, läuft die Zeit davon." Wie so oft würden die Schwächsten am stärksten leiden - "und dies sind leider zumeist die Kinder und Alten".

Wenn die Europäer es auch nach wochenlangen Verhandlungen nicht schafften, "Elendslager auf unserem Territorium zum Schutz vor Corona aufzulösen, verraten wir selbst unsere eigenen europäischen Werte und Menschenrechte", meinte der Diakonie-Chef.

Quelle:
epd