Das Gebetsanliegen des Papstes für den September

Die Würde der Randexistenzen

Im September lädt Papst Franziskus ein, für die Menschen zu beten, die am Rand der Gesellschaft unter oft unmenschlichen Bedingungen leben. Das katholische Oberhaupt fordert weiterhin eine arme Kirche für die Armen.

Autor/in:
Martin Maier SJ
Müllsammlerinnen in Nairobi, Kenia / © Chantal Neumann/German Doctors (KNA)
Müllsammlerinnen in Nairobi, Kenia / © Chantal Neumann/German Doctors ( KNA )

Ein Leitmotiv seines Pontifikats ist für Papst Franziskus der Aufruf an die Kirche, an die soziale und existenzielle Peripherie zu gehen, an die Ränder, wo Menschen unter Ungerechtigkeit und Ausgrenzung leiden. Diese Menschen gibt es in jeder Gesellschaft.

Papst Franziskus betet / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Papst Franziskus betet / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Begegnen können wir ihnen vor allem in den Gefängnissen. So ging Kardinal Carlo Maria Martini, der frühere Erzbischof von Mailand, bei seinen Pastoralbesuchen in seiner großen Diözese zuerst in die Gefängnisse. In den Gesprächen mit den Gefangenen, so war er überzeugt, bekam er den besten und unmittelbarsten Einblick in die sozialen und menschlichen Nöte.

Eine arme Kirche für die Armen

Für Papst Franziskus verbindet sich damit auch sein Bild von der Kirche als Feldlazarett, das die existenziellen und sozialen Wunden der Menschen heilt. Sie ist kein Gerichtssaal und auch keine Zollstation. Das letzte Wort hat für den Papst nicht die reine kirchliche Lehre, sondern die Barmherzigkeit. Er möchte eine arme Kirche für die Armen. Zum luxuriösen Lebensstil von einigen Klerikern sagt er: "Dass Männer der Kirche - Priester, Bischöfe, Kardinäle - in Luxuslimousinen durch die Gegend fahren, statt beispielhaft in Armut zu leben, tut mir weh."

Obdachloser Mann / © Halfpoint (shutterstock)

Auch die erste Aufmerksamkeit Jesu und seine bevorzugte Zuwendung galt den gesellschaftlichen Randexistenzen: Menschen mit Krankheiten und Behinderungen, sozial Ausgegrenzten, Prostituierten. Exemplarisch deutlich wird das in einer Heilungsgeschichte am Anfang des Markusevangeliums.

Jesus geht am Sabbat in die Synagoge und wird auf einen Mann mit einer verkrüppelten Hand aufmerksam, der irgendwo am Rand der Synagoge sitzt. Die Pharisäer, die Hüter über die religiöse Ordnung, werden aufmerksam auf die Aufmerksamkeit Jesu. Dieser lädt den Mann ein, aufzustehen und sich in die Mitte zu stellen. Er holt ihn von der Peripherie ins Zentrum. Dann fragt er: "Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten?" Die Pharisäer schweigen. Jesus sieht sie voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz einen nach dem anderen an und sagt zu dem Mann: "Streck deine Hand aus." Er streckt sie aus, und sie wird wieder gesund.

Wie in einem Brennglas ist hier das ganze Evangelium zusammengefasst.

Den gesellschaftlichen Randexistenzen zuwenden

Jesus wendet sich den gesellschaftlichen Randexistenzen zu, schenkt ihnen Aufmerksamkeit und Würde, heilt sie und integriert sie wieder in die Gesellschaft. Dabei stellt er die Barmherzigkeit über die religiösen Regeln und Gesetze. Dies provoziert die Hüter der Rechtgläubigkeit, und sie beschließen, ihn umzubringen.

An dieser Barmherzigkeit muss sich die Kirche auch heute ausrichten.

Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der heilige Oscar Romero, der Märtyrerbischof aus El Salvador. Seine beglückendste Erfahrung war, dass er in den Armen an den Rändern der Gesellschaft Gott und Jesus begegnet ist.

Bild von Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador, bei dessen Heiligsprechung / © Cristian Gennari (KNA)
Bild von Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador, bei dessen Heiligsprechung / © Cristian Gennari ( KNA )

Dies führte ihn zu einem neuen Verständnis von Transzendenz: "Transzendenz bedeutet nicht: zum Himmel schauen, an das ewige Leben denken und über die Probleme der Erde hinweggehen. Vielmehr handelt es sich um eine Transzendenz, die dem menschlichen Herzen gilt. Sie bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen Gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen allen zu teilen. Transzendenz bedeutet, aus der Mitte des Elends selbst diese Lage zu überschreiten, den Menschen zu erheben, ihn voranzubringen und ihm zu sagen: Du bist kein Abfall. Du gehörst nicht an den Rand. Das Gegenteil ist der Fall: Du hast eine große, große Bedeutung."

Was ist das Gebetsanliegen des Papstes?

Das Video vom Papst oder auch das Gebetsanliegen ist ein Projekt des Weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes. In kurzen Videos stellt Papst Franziskus seine monatlichen Gebetsanliegen vor, in denen es um die Herausforderungen der Menschheit und den Auftrag der Kirche geht. Auf Youtube können Gläubige dem Kanal "Das Video vom Papst" folgen. (DR)

Jeder darf eine Kerze für sein persönliches Gebetsanliegen anzünden. / © Franziska Strecker (NF)
Jeder darf eine Kerze für sein persönliches Gebetsanliegen anzünden. / © Franziska Strecker ( NF )
Quelle:
KNA