Das Dorf, das niemals untergeht

Sasa Stanisic über seinen Roman „Vor dem Fest“

„Die Kirche in dem kleinen Dorf ist eine der wenigen intakten Inseln, wo das Sozialleben heute noch funktioniert, wo sich Leute treffen – zum Gottesdienst oder zu den Festen, die die Kirche organisiert“, sagt Sasa Stanisic im domradio.de Interview über die Bedeutung der Kirche in seinem Phantasiedorf Fürstenfelde in der Uckermark. In seinem Roman „Vor dem Fest“ erzählt der Autor vom Leben in dem Dorf, das es zwar auf keiner Landkarte gibt, das aber sehr „wahrscheinlich“ ist.

Sasa Stanisic / © Katja Sämann
Sasa Stanisic / © Katja Sämann

Es ist die Nacht vor dem Fest in Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Und Frau Kranz, die nachtblinde Malerin, die ihr Dorf zum ersten Mal bei Nacht zeigen will. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Eine Füchsin sucht nach Eiern für ihre Jungen, und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, findet mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen.

Aber es gibt keinen Pfarrer mehr im Dorf, und so übernimmt Uwe Hirtentäschel die Aufgaben des Pfarrers. Hirtentäschel hat eine Suchtvergangenheit hinter sich, er wurde von einem Engel zusammen geschlagen und geläutert, nun hat er sich der Kirche verschrieben und übernimmt die Rolle des nicht vorhandenen Pfarrers.

Sasa Stanisic erzählt die Geschichte und Geschichten eines Dorfes im Osten Deutschlands, das seit Jahrhunderten mit seinem Überleben beschäftigt ist. Früher waren es Pest und Kriege, die das Dorf zu vernichten drohten, heute ist es die Arbeitslosigkeit und die Jugendabwanderung, die das Dorf in seiner Existenz bedrohen. „Das Dorf hat sich kämpferisch über die Jahrhunderte immer wieder bewiesen“, sagt der Autor: „Es hat viel schlimmere Nöte überstanden, es hat Leben und Sterben ausgehalten und  eine der Botschaften meines Buches lautet, das Leben geht immer weiter“.


Sasa Stanisic / © Katja Sämann
Sasa Stanisic / © Katja Sämann