Caritas warnt vor vergessener Katastrophe in Afghanistan

Mangelernährung und Armut

In Afghanistan schränken die islamistischen Taliban nach Ansicht der Hilfsorganisation Caritas International die Rechte von Frauen immer mehr ein. Zudem gebe es für Afghanistan allgemein wenig Spendenbereitschaft.

Afghanistan, Kabul: Frauen in Burkas warten auf Lebensmittelrationen / © Ebrahim Noroozi/AP (dpa)
Afghanistan, Kabul: Frauen in Burkas warten auf Lebensmittelrationen / © Ebrahim Noroozi/AP ( dpa )

Seitdem die Taliban wieder die Macht in Afghanistan haben, gehe es vor allem den Frauen schlecht in dem Land, sagte Oliver Müller, Leiter von Caritas International, am Mittwoch im RBB-Inforadio. Sie befänden sich "in einem Teufelskreis aus Armut, Rechtlosigkeit und Unterdrückung".

90 Prozent der Bevölkerung litten Not, sagte Müller. Viele Kinder seien mangelernährt, es komme immer wieder zu Erdbeben: "Es ist alles in allem eine humanitäre Katastrophe, die sich dort abspielt."

Freiräume ausnutzen

Nichtregierungsorganisationen (NGO) könnten natürlich keine grundsätzliche Änderung der Zustände erreichen, sagte Müller. Aber man könne die Verhältnisse etwas mildern. Caritas International erreiche teilweise, dass Frauen in einigen Provinzen weiter für Nichtregierungsorganisationen arbeiten können - etwa im Gesundheitsbereich: "Man kann Freiräume ausnutzen."

Taliban in Afghanistan / © Trent Inness (shutterstock)

Insgesamt sei NGO-Arbeit in Afghanistan aber "ein schwieriger Aushandlungsprozess" mit den Taliban, sagte Müller. Das verhängte Frauen-Arbeitsverbot werde in den Provinzen unterschiedlich gehandhabt. Wenn in einer Provinz etwa der Gouverneur wechsle, müsse neu ausgehandelt werden, wie Hilfe aussehen könne und dürfe.

Zugleich gebe es den großen Wunsch der Menschen vor Ort, dass die NGO im Land bleiben. Auch deshalb habe sich die Caritas entschlossen, zu bleiben. Leider gebe es sehr wenig Spenden für Afghanistan. "Ich hoffe, dass das Land nicht vergessen wird", sagte Müller.

Quelle:
epd