Caritas unterstützt Flutopfer in Pakistan

"Da ist eine enorme Ungerechtigkeit im Spiel"

Über 1.000 Tote und unzählige Obdachlose sind die Zwischenbilanz der verheerenden Flutkatastrophe in Pakistan. Naturkatastrophen hat es immer gegeben, sagt Andreas Zinggl von Caritas Austria. Aber die Dimensionen nehmen immer mehr zu.

Überschwemmungen in Pakistan / © Ppi (dpa)
Überschwemmungen in Pakistan / © Ppi ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie ist die aktuelle Lage in Pakistan?

Andreas Zinggl (Projektreferent Pakistan bei Caritas Austria): Es sind tatsächlich über 1.200 Todesopfer zu beklagen. Aber es sind insgesamt - und das ist der Stand vor drei Tagen - 33 Millionen Menschen betroffen. Das heißt, es haben sicher über zehn Millionen Menschen kein Dach über dem Kopf. Und die Zahlen haben sich mittlerweile wahrscheinlich wieder zum Schlechteren verändert.

DOMRADIO.DE: Das müssen riesengroße Gebiete sein, die da unter Wasser stehen.

Andreas Zinggl, Caritas Austria

"Es gibt Schätzungen, dass etwa ein Drittel des gesamten Landesgebiets unter Wasser steht."

Zinggl: Das ist richtig. Es gibt Schätzungen, dass etwa ein Drittel des gesamten Landesgebiets unter Wasser steht. Das ist eine Fläche, fast so groß wie Deutschland oder dreimal so groß wie Österreich. Wir haben einen traurigen Vergleich zum Jahr 2010. Da hat es eine Jahrhundertkatastrophe, eine Jahrhundertüberschwemmung gegeben. Damals war eine Fläche von etwa einem Fünftel des Landes betroffen. Wir können jetzt leicht ausrechnen, was das für die nächsten Jahre bedeutet.

DOMRADIO.DE: Was ist denn seit den gewaltigen Überschwemmungen vor zwölf Jahren geschehen?

Zinggl: Wir haben von vielen Caritas-Organisationen Europas und auch aus Österreich sehr viele Wiederaufbauprojekte durchführen können. Das hat sich auf den Wiederaufbau von Schulen, von Häusern bezogen. Es sind zehntausende Häuser mit Unterstützung der Spender und Spenderinnen wiederaufgebaut worden.

Es wurden Gesundheitseinrichtungen wiederhergestellt. Es wurden Lebensgrundlagen der Landwirtschaft wiederhergestellt. Wir haben im Juni das allerletzte Projekt von damals abgeschlossen.

Und es war eigentlich nicht erforderlich, dass wir wieder von vorne beginnen müssen.

DOMRADIO.DE: Bedeutet dies, dass die Arbeit der letzten zwölf Jahre in Sachen Wiederaufbau zunichte gemacht wurde?

Zinggl: So, wie sich das derzeit abzeichnet, ja. Vielleicht ist die deutsche Ärztin Ruth Pfau, die in Pakistan die Lepra besiegt hat, noch ein Begriff. Sie ist vor wenigen Jahren verstorben. Ich habe sie damals dasselbe gefragt: "Jetzt ist alles wieder kaputt, was Sie da aufgebaut haben." Und sie hat mir darauf geantwortet: Ja, natürlich. Das ist zwar sinnlos. Aber noch sinnloser ist es, nichts zu machen. Es ist die Beharrlichkeit, die Ruth Pfau damals geholfen hat, auch die Lepra zu besiegen. Man kann nur weitermachen. Alles andere wäre Wahnsinn.

DOMRADIO.DE: Worauf müssen sich die Menschen in Pakistan oder auch Hilfsorganisationen wie Caritas international einstellen? Wir können ja davon ausgehen, dass die Naturkatastrophen nicht wieder weniger werden.

Andreas Zinggl, Caritas Austria

Naturkatastrophen hat es immer gegeben (...), aber die Dimensionen und die Intensität ist ganz klar schlimmer geworden.

Zinggl: Das ist richtig. Es ist zweifellos eine große Bedrohung. Das hat natürlich auch mit dem Klimawandel zu tun. Naturkatastrophen hat es immer gegeben, vor allem in Pakistan, und zwar nicht nur Überschwemmungen, sondern auch Dürren oder Erdbeben. Aber die Dimensionen und die Intensität sind ganz klar schlimmer geworden.

Pakistan zählt zu jenen zehn Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Auf der anderen Seite der Skala zählt Pakistan zu jenen zehn Ländern, die am wenigsten zum CO2-Ausstoss beitragen. Da ist schon eine enorme Ungerechtigkeit im Spiel.

Was wir bei allen Projekten machen, ist, eine sogenannte DRR-Komponente, eine "desaster risk reduction" einzubauen, um uns vorausschauend für künftige Katastrophen zu schützen. Bis zu einem gewissen Grad hilft das auch. Aber in den Dimensionen, wie wir die derzeit erleben, ist selbst das nicht mehr der Rede wert.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Kirche: Millionen Pakistaner von Hochwasserkatastrophe betroffen

Katholiken in Pakistan beten um Hilfe für die Millionen von der schwersten Hochwasserkatastrophe der vergangenen Jahrzehnte betroffenen Menschen. "Familien trauern um den Verlust ihrer Lieben und die Menschen sind obdachlos und hungrig", sagte Bischof Samson Shukardin von Hyderabad dem asiatischen Pressedienst Ucanews (Montag). 90 Prozent seines Bistums in der Provinz Sindh seien überflutet und viele Kirchen, Pfarrhäuser und Schulen durch das Hochwasser beschädigt worden.

Überschwemmungen in Pakistan / © Ppi (dpa)
Überschwemmungen in Pakistan / © Ppi ( dpa )

Quelle:
DR