Caritas trauert um Ehrenpräsident Georg Hüssler

Anwalt der Armen

Wie kaum ein anderer hat er den Kurs des Deutschen Caritasverbandes mitgestaltet. Auch den Aufbau internationaler Hilfsstrukturen - weltweit ist Caritas international heute in Krisen- und Armutsregionen aktiv - prägte Georg Hüssler maßgeblich mit.

Autor/in:
Volker Hasenauer und Gottfried Bohl
Georg Hüssler, hier 2011 mit Erzbischof Zollitsch (KNA)
Georg Hüssler, hier 2011 mit Erzbischof Zollitsch / ( KNA )

Er selbst reiste in Konfliktregionen und richtete im nigerianischen Bürgerkrieg Ende der 1960er Jahre die erste Caritas-Luftbrücke für hungernde Menschen in Biafra ein. Am Sonntag starb der Ehrenpräsident des DCV und von "Caritas Internationalis" im Alter von 91 Jahren in Freiburg.

In Einöd/Saarland als Sohn eines elsässischen Vaters und einer badischen Mutter geboren, wuchs er im Elsass auf, machte in Straßburg 1939 das Abitur und studierte - wie er selbst sagt - "mit Leidenschaft" Medizin. Hatte sein vier Jahre älterer Bruder als Priesteramtskandidat den Militärdienst auf französischer Seite abgeleistet, so kam der junge Georg als angehender Mediziner 1942 zum Sanitätsdienst der deutschen Wehrmacht. In Nordafrika und später in Rumänien erlebte er hautnah Leid und Elend des Kriegs. Geprägt hat den Sanitäter zugleich die Erfahrung, dass es in der Not immer auch Menschen gibt, die helfen.

1951 zum Priester geweiht

Nach zweimaliger Gefangenschaft wurde der junge Hüssler im Vatikan interniert. Die Ruhe nach dem Chaos des Krieges und die Begegnung mit den Kriegsgefangenen helfenden Priestern ließen in ihm den Entschluss reifen, ebenso wie sein Bruder Priester zu werden. Georg Hüssler studierte nach Kriegsende am Germanicum in Rom Theologie und wurde 1951 zum Priester geweiht. Nach seinem Einsatz als Vikar in Mannheim kehrte er für eine theologische Promotion nach Rom zurück.

Dann aber begann seine Caritas-Zeit, wo "ich meine Lebensaufgabe und Heimat fand": zunächst ab 1965 als Assistent bei Präsident Alois Eckert, zwei Jahre später als Generalsekretär und ab Oktober 1969 (bis 1991) als Präsident. Zusätzlich war er von 1975 bis 1983 Präsident des internationalen Dachverbandes "Caritas Internationalis" in Rom.

Begegnungen über nationale und Rassen-Grenzen

"Das Wichtigste sind nicht die Organisationen, diese sind nur Instrumente", fasste Hüssler einmal seine Erfahrungen im größten deutschen Wohlfahrtsverband zusammen: "Das Wichtigste ist die Beziehung von Mensch zu Mensch."

Zu den schwierigsten Missionen im Leben dieses Anwalts der Armen gehörten gefährliche Reisen - etwa in die nigerianische Region Biafra, wo er während des Bürgerkriegs Ende der 1960er Jahre vor allem Einheimischen konkrete Hilfen zur Selbsthilfe vermittelte. Unzählige menschliche Begegnungen über nationale und Rassen-Grenzen hinweg ließen Hüssler zu einem leidenschaftlichen Kämpfer gegen Ausgrenzungen jeglicher Art werden.

"Nicht nur die Caritas in Deutschland, sondern auch die weltweite Caritas verliert einen Mann, der in seinem tiefen Glauben an einen menschenfreundlichen Gott, seiner persönlichen Bescheidenheit, seiner Liebe zu den Menschen und seiner geistigen Kraft einer der Großen der Caritas-Familie war", würdigte Caritas-Präsident Peter Neher am Sonntag den Verstorbenen.


Quelle:
KNA