Caritas stellt fast doppelt so viel Beratungsbedarf fest

Mehr Menschen mit Energie- und Mietschulden

Hohe Energiepreise und Mieten bereiten laut einer Untersuchung der Caritas immer mehr Menschen Probleme. Seit September 2019 habe sich der Beratungsbedarf sogar verdoppelt. Ein wichtiger Hinweis zur aktuellen sozialen Lage im Land.

Immer mehr Menschen können Energiekosten und Miete nicht mehr bezahlen / © Marco de Benedictis (shutterstock)
Immer mehr Menschen können Energiekosten und Miete nicht mehr bezahlen / © Marco de Benedictis ( shutterstock )

Wie der katholische Sozialverband am Montag in Berlin mitteilte, hat sich der Anteil der Menschen, die wegen Energieschulden eine Beratungsstelle der Caritas aufgesucht haben, seit September 2019 verdoppelt. Damals suchten den Angaben zufolge rund 4,8 Prozent der Ratsuchenden aufgrund von Energieschulden Hilfe, im September dieses Jahres waren es 10,8 Prozent. Der Anteil Hilfesuchender mit Mietschulden lag bei 9,6 Prozent.

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Symbolbild Lebensmittelpreise / © Moritz Frankenberg (dpa)
Symbolbild Lebensmittelpreise / © Moritz Frankenberg ( dpa )

"Verlässlicher Seismograf"

Die Caritas erhebt jeweils im September Daten zu den geführten Beratungsgesprächen. In die aktuelle Auswertung flossen den Angaben zufolge 2.007 Vorgänge ein. Die Beratungsstellen seien ein "verlässlicher Seismograf der Probleme und Notlagen im Land", sagte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa. Energieschulden kämen immer häufiger vor. Dieser Trend habe bereits vor Februar 2022 eingesetzt, durch die geopolitisch beeinflussten Energiepreisentwicklungen aber an Tempo gewonnen.

In fast einem Drittel der Gespräche (30,8 Prozent) sind nach Angaben der Caritas Wohnprobleme ein Thema. Dazu gehörten auch Konflikte mit dem Vermieter sowie Probleme mit der Größe einer Wohnung oder mangelnder Barrierefreiheit.

Hoher Beratungsbedarf beim Umgang mit Behörden

Auffällig hoch ist nach Angaben der Caritas auch die Zahl der Ratsuchenden, die wegen Sprachproblemen im Umgang mit Behörden in die Beratungsstellen kommen. Ihr Anteil liegt der Umfrage zufolge bei 42 Prozent, während nur 22 Prozent der Klientinnen und Klienten nach eigener Aussage Sprachprobleme im Alltag haben. Die Differenz sei "auf die lebensweltfremde Sprache zurückzuführen, die Behörden verwenden", erklärte die Caritas. Für viele Menschen, egal welcher Herkunft, sei sie schlicht unverständlich. "Der Staat kann die Menschen nicht gut unterstützen, sie weder fördern noch fordern, wenn er eine Sprache spricht oder schreibt, die sie nicht verstehen", sagte Welskop-Deffaa.

Deutscher Caritasverband

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 690.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Sitz des 1897 gegründeten Verbands ist Freiburg. Wichtige Bedeutung haben die Büros in Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )

Quelle:
epd
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