Caritas rechnet mit einer Millionen Binnenvertriebenen im Libanon

"Wunden des letzten Krieges noch nicht verheilt"

Das Caritas-Hilfswerk kritisiert die Ausweitung des Iran-Kriegs auf den Libanon. Dort sei die humanitäre Situation inzwischen dramatisch und drängt Menschen aus dem Land. Selbst Helfer müssen sich in Sicherheit bringen.

Geflüchtete im Libanon / © Marwan Naamani (dpa)
Geflüchtete im Libanon / © Marwan Naamani ( dpa )

Caritas international sieht drastische Folgen des Iran-Krieges für den Libanon. "Wir sind tief besorgt über die Eskalation und die Ausweitung des Iran-Kriegs auf Teile des Libanons", erklärte Leiter Oliver Müller am Mittwoch in Freiburg. Das katholische Hilfswerk verurteile die Raketenangriffe der Hisbollah-Miliz auf Israel und die militärische Reaktion der israelischen Armee im Südlibanon.

Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth (dpa)
Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth ( dpa )

Die humanitäre Situation im Libanon sei dramatisch. Die dortige Caritas schätze, dass es zu mehr als einer Million Binnenvertriebenen kommen werde. Auch Helfer seien nicht überall sicher. Die Mitarbeitenden einer lokalen Partnerorganisation hätten sich in Sicherheit bringen müssen. Sie hätten die Arbeit vorerst eingestellt, sagte Müller.

250.000 Euro Nothilfe

Caritas international stelle nun in einem ersten Schritt 250.000 Euro für Nothilfe bereit. Das Geld werde besonders für Nahrungsmittel und Hygieneartikel gebraucht sowie für die Unterbringung von Menschen.

Es fehlten Matratzen, Kissen und Decken, sagte Müller, der Vorstand des Deutschen Caritasverbandes für die Bereiche Internationales, Migration und Katastrophenhilfe ist. Caritas Libanon habe Notunterkünfte bereitgestellt.

Oliver Müller

"Die Menschen im Libanon sind müde vom Krieg und dem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. Sie brauchen endlich Frieden und eine Perspektive"

"Unsere libanesischen Partner beklagen nicht nur die aktuelle Vertreibung", so Müller. "Vielmehr sind auch die Wunden des Krieges Ende Jahr 2024 längst nicht verheilt." 62.000 Vertriebene konnten demnach noch nicht in ihre Heimatdörfer zurückkehren, da die israelische Armee diese Regionen auch nach dem vereinbarten Waffenstillstand immer wieder angegriffen habe. 

Essensausgabe in der Flüchtlingsunterkunft der Caritas im Libanon 
 / © Francesca Volpi (KNA)
Essensausgabe in der Flüchtlingsunterkunft der Caritas im Libanon / © Francesca Volpi ( KNA )

"Die Menschen im Libanon sind müde vom Krieg und dem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. Sie brauchen endlich Frieden und eine Perspektive", forderte Müller. Er wies zudem darauf hin, dass sich im Libanon lebende Syrerinnen und Syrer ebenfalls zur Flucht entschlossen hätten. Sie seien nach Syrien aufgebrochen, wo bereits Tausende die Grenze überschritten hätten.

Caritas international

Caritas International arbeitet eng mit den weltweit 165 nationalen Caritas-Organisationen zusammen. Von seinem Hauptsitz in Freiburg aus unterstützt das katholische Hilfswerk jährlich etwa 1.000 Hilfsprojekte in aller Welt. In den Projekten gewährleisten die Kompetenz und das Engagement der einheimischen Caritas-Mitarbeiter den dauerhaften Erfolg vor Ort.

Die Caritas gibt es in über 160 Ländern / © Karolis Kavolelis (shutterstock)
Die Caritas gibt es in über 160 Ländern / © Karolis Kavolelis ( shutterstock )
Quelle:
KNA