Caritas-Projekt gegen "Energiearmut" geht in Verlängerung

Fahndung nach Stromfressern

Für Bundesumweltministerin Svenja Schulze gibt es beim Stromspar-Check nur Gewinner. Die Caritas-Aktion, bei der Haushalten mit geringen Einkommen geholfen wird, Energie zu sparen, erhält 28 Millionen Euro vom Bund.

 (DR)

Sie fahnden seit zehn Jahren nach versteckten Stromfressern. Und sie bieten im Gegenzug kostenlose Soforthilfen wie Energiesparlampen, schaltbare Steckdosenleisten, Zeitschaltuhren und Strahlregler für Wasserhähne. Knapp 7.000 Langzeitarbeitslose bundesweit wurden bislang als Stromsparhelfer ausgebildet, um Bundesbürger mit geringem Einkommen dabei zu unterstützen, Energiekosten zu sparen.

Es geht um Klimaschutz im Alltag

Im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes und des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD) arbeiten die Stromsparhelfer gegen die sogenannte Energiearmut an. Und freuen sich gleichzeitig, dass sie wieder gebraucht werden.

Mehr als 800.000 Menschen in 320.000 Haushalten mit geringem Einkommen haben seit 2008 am Stromspar-Check teilgenommen und dabei ihre Energiekosten um 100 bis 250 Euro pro Jahr reduziert, wie auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Montag in Münster mitteilte. Insgesamt haben diese Haushalte – vor allem Bezieher von Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Sozialhilfe - bisher 350 Millionen Euro Energiekosten eingespart.

Win-Win-Situationen

"Dieses Projekt ist etwas ganz Besonderes, weil es verschiedene Aspekte vereint und lauter Win-Win-Situationen schafft", so die Ministerin. Schulze sagte beim Besuch des seit zehn Jahren bestehenden Münsteraner Stromspar-Teams für die kommenden drei Jahre weitere 28,6 Millionen Euro an Fördergeldern des Bundes für die rund 150 Stromspar-Check-Standorte in Deutschland zu.

Dabei wird die bisherige reine Energiesparberatung zum "Stromspar-Check Aktiv" erweitert. Die beteiligten Haushalte sollten nun zusätzlich auch über ressourcenschonende Umgangsweisen im Alltag aufgeklärt werden.

Gleich mehrfach besuchen die Sparexperten im Rahmen des Projekts die bedürftigen Familien und analysieren den Energie- und Wasserverbrauch der Haushalte. Sie überprüfen die Wattzahl der Glühbirnen, inspizieren Wasserhähne und Duschköpfe. Ein paar Tage später kommen sie zurück: mit Energiesparlampen, einem Sparduschkopf oder einer Steckdosenleiste, die den Verbrauch von Stand-By-Geräten verringert.

550.000 Tonnen CO2-Reduktion

In den vergangenen zehn Jahren haben die Stromsparhelfer kostenfreie Energiesparartikel im Gesamtwert von 20 Millionen Euro installiert. Außerdem konnten knapp 17.000 Haushalte ihr altes Kühlgerät gegen ein energieeffizientes A+++-Gerät austauschen. Die CO2-Reduktion summiert sich laut Caritas auf fast 550.000 Tonnen.

"Die Stromspar-Teams stoßen auf Kühl- der Gefrierschränke, die älter als 30 Jahre sind", weiß Wiebke Fiebig, Leiterin des Energiereferates der Stadt Frankfurt und stellvertretende eaD-Vorsitzende. "Manches Rentnerehepaar mit geringem Einkommen hat immer noch die erste Einbauküche mit einem Kühlschrank aus den Siebzigern in Betrieb."

Beschäftigung für Langzeitarbeitslose

Caritas-Vizepräsident Heinz-Josef Kessmann lobte das Projekt, das 2012 mit dem Bundesumweltpreis ausgezeichnet wurde: "Der Stromspar-Check bietet Menschen mit geringem Einkommen Prävention vor Energiearmut und schafft darüber hinaus Arbeitsplätze, Beschäftigung und Qualifikation für ehemals langzeitarbeitslose Frauen und Männer."

Der Vorstandsvorsitzende des eaD, Michael Geißler, unterstrich, der "Stromspar-Check Aktiv" zeige mit seinen neuen Aktionen, "wie einfach es sein kann, sich klimaschonend zu verhalten und dabei auch noch Kosten zu sparen".

Energiearmut in Deutschland / © Jens Kalaene (dpa)
Energiearmut in Deutschland / © Jens Kalaene ( dpa )
Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA