Caritas-Präsidentin kritisiert Sparplan der Bundesregierung

"Ampel-Koalition kürzt planlos im sozialen Netz"

Die Präsidentin des Deutschen Caritas-Verbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, befürchtet Einschnitte im Sozialwesen durch geplante Kürzungen im Bundeshaushalt. Sie spricht teilweise von "existenziellen Gefährdungen".

Autor/in:
Dirk Baas und Bettina Markmeyer
Eva Maria Welskop-Deffaa / © Jannis Chavakis (KNA)
Eva Maria Welskop-Deffaa / © Jannis Chavakis ( KNA )

"Die Kürzungen folgen keinem Plan. An wichtigen Knotenpunkten der sozialen Infrastruktur soll um bis zu 30 Prozent gespart werden", sagte Welskop-Deffaa dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele soziale Einrichtungen stützten sich auf eine Mischfinanzierung aus Bundes- und Ländermitteln sowie Zuwendungen der Kommunen.

Caritas Deutschland

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 690.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Sitz des 1897 gegründeten Verbands ist Freiburg. Wichtige Bedeutung haben die Büros in Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )

"Wenn der Bund aussteigt, bricht das ganze Konstrukt zusammen, und die Anlaufstellen vor Ort verschwinden", warnte Welskop-Deffaa. Sie äußerte ihr Unverständnis darüber, dass der Bund ausgerechnet in Zeiten großer Verunsicherung den Rotstift bei den sozialen Leistungen ansetze. Die politische Antwort auf beunruhigende Krisen müsse "Sicherheit"  lauten, erklärte die Verbandschefin.

"Unverständnis von vielen Seiten"

Das bedeute vor allem, dass jahrelang aufgebaute Programme wie Hilfen für jungen Familien oder die Digitalisierung von Beratungsangeboten nicht plötzlich zusammengestrichen würden, sagte sie. Die Kürzungen beim Freiwilligen Sozialen Jahr ernteten inzwischen von allen Seiten Unverständnis, erklärte Welskop-Deffaa.

Bei den Freiwilligendiensten will die Ampel-Koalition in den kommenden beiden Jahren rund ein Drittel der Bundeszuwendungen streichen. Für diesen Mittwoch hat unter anderem die Diakonie Protestveranstaltungen in Berlin angekündigt.

Ampel macht "keine gute Figur"

Welskop-Deffaa bescheinigte allen drei Ampel-Parteien, "leider keine gute Figur" zu machen. SPD, Grüne und FDP hätten im Koalitionsvertrag versprochen, die internen Spannungen so auszugleichen, dass sie tragfähige Antworten auf die aktuellen Herausforderungen fänden, erklärte die Caritas-Chefin. Sie machte deutlich, dass sie sich von den Haushaltsberatungen im Bundestag noch Änderungen erhoffe. Die sozialen Einrichtungen in Städten und Landkreisen seien alarmiert von den Plänen, es gebe inzwischen eine breite Mobilisierung gegen die Sparpläne, sagte sie.

Der Bundestag will Ende November abschließend über den Bundeshaushalt beraten. Kürzungen sind im Etat des Arbeits- und Sozialministeriums, bei den Familienleistungen, in der Pflege und bei den Freiwilligendiensten vorgesehen.

Quelle:
epd