Caritas mit "Freakout" bei Spielemesse Gamescom

Virtuell durchdrehen

Diese Woche treffen sich wieder zehntausende Computerspiele-Zocker auf der Gamescom in Köln. Mit dabei ist auch die Caritas Köln mit ihrer mobilen Jugendarbeit. Ein domradio.de-Interview mit Sozialarbeiter Niklas Anlauf.

Zocker bei der Gamescom / © Oliver Berg (dpa)
Zocker bei der Gamescom / © Oliver Berg ( dpa )

domradio.de: Die Caritas zwischen den riesigen Flachbildschirmen und Spielekonsolen: Was macht Ihr Hilfswerk auf der Gamescom? 

Niklas Anlauf (Sozialarbeiter der Caritas Köln): Auf der Gamescom gibt es jedes Jahr das sogenannte Jugendforum NRW der Stadt Köln. Dort treffen sich Vertreter der Jugendarbeit und machen medienpädagogische Angebote. Wir sind mit unserem Projekt "Freakout" dabei, das findet außerhalb der Gamescom jeden Freitag auch auf den Kölner Ringen statt.

domradio.de: Was genau steckt hinter dem Projekt "Freakout"?

Anlauf: "Freakout" ist mobile Jugendarbeit  - und zwar abends auf den Kölner Ringen. Wir sind mitten im Nachtleben mit einem Kleinbus unterwegs und machen auf zentralen Plätzen Angebote für Jugendliche: Gespräche, Spiele, Musik. Die Kölner Ringe werden von Menschen allen Alters stark besucht, daher ist "Freakout" entstanden. Wir sind dabei keine Entertainer oder Promoter, sondern versuchen durch die Attraktivität der Angebote die jungen Menschen zu erreichen. 

 

 

domradio.de: Es gibt regelmäßig Kritik an Spielekonsolen und der digitalen Spieleindustrie. "Gaming" kann auch zur Sucht werden. Jugendliche verbringen dann viel Zeit vor dem Bildschirm, also im virtuellen Raum statt der Realität. Wieso gehen Sie mit den Jugendlichen nicht auf den Bolzplatz, sondern "zocken" an der Spielekonsole?

Anlauf: Das machen wir auch, aber "Freakout" ist ein Ergänzungsangebot. Wenn die Jugendlichen am Wochenende unterwegs sind und in Shisha-Bars, Clubs oder Discos gehen, dann sind sie ausgelassen und wollen nicht schwitzen und sich bewegen. Deshalb auch "Freakout", also "durchdrehen" und ausgelassen sein. Wir schaffen also Angebote, die die Jugendlichen auch auf der Piste ansprechen. Da ist man mit Videospielen natürlich ganz weit vorne. Natürlich sind sie ein zweischneidiges Schwert. Wir benutzen ein Fußball-Computerspiel zu viert, so treffen sich Jugendliche aus unterschiedlichen Szenen und Kulturen im virtuellen Spiel live vor Ort. Das Aufeinandertreffen begleiten wir.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.


Angela Merkel eröffnet die Gamescom / © Oliver Berg (dpa)
Angela Merkel eröffnet die Gamescom / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
DR