Caritas führt nach zweitem Beben Hilfe in Nepal fort

"Gut ist, dass wir schon da sind"

Caritas international will so schnell wie möglich die Betroffenen des zweiten Erdbebens erreichen, sagt Nothilfe-Koordinator Dieter Rachbauer, der vor Ort ist. Das Vertrauen der Menschen in Haus und Boden sei inzwischen zerstört.

Zweites Erdbeben in Nepal (dpa)
Zweites Erdbeben in Nepal / ( dpa )

domradio.de: Wie haben Sie das Beben vor Ort erlebt?

Dieter Rachbauer (Caritas international, Koordinator der Hilfe in Nepal): Ich war mit drei nepalesischen Kollegen bei einer Besprechung und dann ging das Erdbeben los. Wir sind dann in den Innenhof des Gebäudes, in dem wir uns befanden, gegangen und haben versucht, uns so weit wie möglich von den Wänden und von den umliegenden Häusern entfernt zu positionieren und haben gebannt auf die Häuser um uns herum geschaut. 

Es war ein wirklich heftiger Stoß und etwa eine halbe Minute lang gab es danach noch Wellen. Es hat sich angefühlt, als wenn man betrunken wäre, so hat es geschwankt. Direkt gegenüber stand ein Haus, das vom ersten Erdbeben beschädigt wurde und das einen sieben Meter langen Sprung hatte. Dieser Sprung ist zweimal auf- und wieder zugegangen. Das Gebäude ist stehengeblieben. Das war aber schon ernsthaft beängstigend und ein Schock. 

domradio.de: Muss man jetzt mit weiteren Hauseinstürzen rechnen?

Rachbauer: Wahrscheinlich nicht. Aber es sind beim zweiten Beben einige Gebäude im Kathmandu-Tal zusammengestürzt, die bereits beschädigt waren. In diesen Gebäuden hat aber ja niemand mehr gewohnt, deshalb ist dabei nicht viel passiert. Aber die Berichte aus den Provinzen sehen anders aus. Das Kathmandu-Tal ist diesmal relativ glimpflich davon gekommen.

domradio.de: Was wissen Sie darüber, wie es in den abgelegenen Bergdörfern aussieht?

Rachbauer: Wir haben versucht, unsere Kollegen von Caritas international zu erreichen, die in den betroffenen Gebieten arbeiten oder unterwegs sind. Wir hatten mit fast allen Kontakt. Unseren Kollegen ist zum Glück nichts passiert. Aber in einem Distrikt nördlich von Kathmandu beispielweise gibt es wieder große Schäden. Viele Menschen sind verschüttet. Uns erreichen Nachrichten von Erdrutschen und zerstörten Häusern - in Provinzen, in denen es bereits Zerstörungen gab, aber auch in weiteren Provinzen. 

domradio.de: Was bedeutet das zweite Beben für die weitere Hilfe vor Ort? Im Juni beginnt ja auch die Monsun-Saison.  

Rachbauer: Da gibt es Gutes und Schlechtes zu berichten. Das Gute ist, dass die Hilfsorganisationen bereits vor Ort sind. Das heißt, auch in den abgelegenen Provinzen gibt es viele Camps von internationalen Organisationen. Dort können Verletzte dieses Erdbebens betreut werden. Außerdem sind derzeit viele Hilfsgüter im Land. Die Caritas hat in den letzten Tagen Flugzeug- und Lastwagenladungen mit Decken und Zeltplanen bekommen. 

Das heißt, man kann relativ schnell reagieren. Aber wir haben ja auch noch die von dem ersten Erdbeben Betroffenen. Die Herausforderung wird definitiv größer, die Menschen rechtzeitig zu erreichen und vor dem Monsun mit dem Notwendigsten auszustatten. 

domradio.de: Wie gehen die Menschen mit dem erneuten Erdbeben um?

Rachbauer: Die Menschen haben tagelang aus Angst nicht in ihren Häusern geschlafen. Es gab immer wieder Nachbeben. Seit einer Woche ist aber eigentlich nichts Schlimmes mehr passiert. Die Menschen haben begonnen, ein bisschen zur Normalität überzugehen und Vertrauen in Haus und Boden zu gewinnen. Das Beben heute ist natürlich eine Katastrophe für die Menschen hier. Ich bin nach dem Beben durch die Straßen gegangen. Die Frauen und Kinder haben an der Straße gesessen und waren verzweifelt. Das Vertrauen, das sie gerade gewonnen hatten, ist jetzt wieder weg.

 

Die Fragen stellte Uta Vorbrodt.


Quelle:
DR