Caritas fordert Ende für "irrsinniges Dienstwagenprivileg"

"Nicht zeitgemäß und klimapolitisch fatal"

Die Caritas fordert die Streichung der steuerlichen Vergünstigungen für Firmenwagen, also des von Kritikern oft so bezeichneten "Dienstwagenprivilegs". Von Dienstwagen und ihrer Nutzung profitierten vor allem Wohlhabende, heißt es.

Symbolbild: Auch in der katholischen Kirche gibt es Dienstwagen / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild: Auch in der katholischen Kirche gibt es Dienstwagen / © Harald Oppitz ( KNA )

Dieses sei "nicht zeitgemäß und klimapolitisch fatal", so der katholische Sozialverband am Montag auf Twitter zur aktuellen Debatte. Das Geld solle besser in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fließen.

Deutscher Caritasverband

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands und Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich im In- und Ausland für Menschen in Not ein. Gegründet wurde die Caritas 1897 vom Freiburger Geistlichen Lorenz Werthmann. Sitz ist Freiburg.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )

"Die Autolobby lässt nichts unversucht, um das irrsinnige Dienstwagenprivileg zu verteidigen", heißt es weiter. Dabei werde der Steuervorteil sogar als sozial dargestellt.

In Wahrheit aber, so die Caritas, seien Dienstwagen und ihre Nutzung vor allem etwas für Wohlhabende: Die Hälftaller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem Jahresgehalt über 100.000 Euro hätten einen Dienstwagen und profitierten vom entsprechenden Privileg bei den Steuern - "je höher das Einkommen, desto größer der Vorteil".

Forderung: ÖPNV-Ticket statt Dienstwagen

Und mit Blick auf das Klima schrieb der Sozialverband weiter: "Der Kauf eines (als Dienstwagen besonders beliebten) Porsche 911 Turbo S Cabrio wird mit 138.412 Euro subventioniert. Dafür emittiert der Umweltverpester mit 284 g CO2/km das dreifache der EU-Obergrenze (Quelle Umwelthilfe). Nicht besonders gut eingesetztes Steuergeld, oder?"

Aber auch unabhängig vom Modell sei es "einfach nicht zeitgemäß und klimapolitisch fatal", einen Teil des Gehalts in Form eines PKWs auszuzahlen - "wenn, dann bitte ÖPNV-Ticket oder (Elektro-)Fahrrad".

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Samstag im "Spiegel" vor Nachteilen für Beschäftigte in sozialen Berufen gewarnt, wenn man die aktuellen Regeln antaste: "Wir denken bei dem Thema Dienstwagenprivileg alle automatisch an dicke Limousinen. Dabei wird vergessen, dass Dienstwagen auch eine soziale Komponente haben."

Dienstwagen auch für ambulante Pflegekräfte

Als Beispiel dafür nannte er den Fall, "wenn ambulante Pflegedienste ihren Mitarbeitern ermöglichen, Dienstwagen - in der Regel Kleinwagen - auch privat zu nutzen". Dies sei - gerade im ländlichen Raum - eine große finanzielle Entlastung für Familien. Während die Grünen derzeit fordern, große Spritfresser höher zu besteuern als Spar-Autos, will die FDP an einer günstigen Pauschalbesteuerung für alle festhalten.

In der Regel müssen Arbeitnehmer ein Prozent vom Neuwagenpreis für ihren Dienstwagen monatlich versteuern. Kritiker sagen, der tatsächliche Nutzen sei meist deutlich höher. Außerdem führe die Regelung dazu, dass vermehrt Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse gekauft würden, die auch mehr umweltschädliches CO2 ausstießen. Die Förderung sei daher unsozial und ökologisch bedenklich.

Quelle:
KNA