Bundesregierung ehrt Opfer des 17. Juni

"Die Gräber mahnen zu Freiheit und Demokratie"

Am 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu Massenprotesten, die nur von sowjetischen Panzern niedergeschlagen werden konnten. Lange Zeit war dieser Tag der "Tag der Deutschen Einheit". Auch 2014 hat die Bundesregierung der 55 Opfer gedacht.

Gedenken an die Opfer des 17. Juni 1953 (dpa)
Gedenken an die Opfer des 17. Juni 1953 / ( dpa )

Die Bundesregierung hat am Dienstag an die Opfer des Volksaufstands in der DDR vom 17. Juni 1953 erinnert. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) erklärte auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Stadtteil Wedding, Freiheit und Demokratie seien "die Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Erfolg" und dafür, "dass Menschen in Frieden und ohne Gewalt leben können". Das sei die Mahnung, die von den Gräbern der Aufstandsopfer ausgehe, sagte der Bundeswirtschaftsminister in Anwesenheit von zahlreichen Zeitzeugen und Beteiligten des Aufstands vom 17. Juni.

"Gegen Panzer ist Zivilcourage machtlos"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief dazu auf, die Erinnerung an den Volksaufstand vor 61 Jahren wachzuhalten.

Es habe sich schon damals um eine Erhebung für Freiheit, Demokratie und das Ende der deutschen Teilung gehandelt. Anders als im Herbst 1989 habe der damalige Protest der DDR-Bürger aber keinen Erfolg gehabt. "Gegen Panzer ist Zivilcourage machtlos", sagte Wowereit. Der Mauerfall am 9. November 1989 wäre ohne die europäische Bürgerrechtsbewegung seit den 50er Jahren undenkbar gewesen, unterstrich Wowereit.

Ein Kranz für die Opfer

Zu der Gedenkveranstaltung waren neben Opfern des Volksaufstandes unter anderem Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und der Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Andreas Gram (CDU), sowie Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) gekommen. Im Gedenken an die Opfer legten Gabriel und Wowereit zusammen mit Joachim Fritsch, Geschäftsführer der Vereinigung 17. Juni 1953, einen Kranz an der Gedenkstätte hinter. Unter den Gästen waren auch der evangelische Bischof Markus Dröge und Stasi-Unterlagenchef Roland Jahn.

Mit sowjetischen Panzern niedergeschlagen

Beim Volksaufstand rund um den 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu Streiks und Demonstrationen in mindestens 400 Städten und Gemeinden sowie mehreren Hundert Betrieben. Es beteiligten sich daran bis zu 1,5 Millionen Menschen. Auslöser des Arbeiterprotestes waren die von der SED beschlossenem Erhöhungen der Arbeitsnormen. Erst mit Hilfe sowjetischer Militäreinheiten wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Dabei kamen mindestens 55 Menschen ums Leben. Bis zu 20.000 Demonstranten und Mitglieder von Streikkomitees wurden verhaftet. Die Bundesrepublik Deutschland beschloss nur wenige Wochen später, den 17. Juni zum "Tag der Deutschen Einheit" zu erklären.


Quelle:
epd