Brigitte Zypries (SPD) hat zum Schutz von Kindern gegen Gewalt in der eigenen Familie eine bessere Vernetzung der Behörden gefordert. Sozialarbeiter, Bewährungshelfer, Schule, Kindergarten und Jugendgerichtshilfe sollten sich in der Gemeinde über Problemfälle besser austauschen, sagte Zypries am Sonntag im Deutschlandfunk (Köln). Das Familiengericht solle früher eingeschaltet werden und die Möglichkeit bekommen, niedrig-schwellige Auflagen zu machen. Das Saarland und Nordrhein-Westfalen kündigten einen Ausbau des Kinderschutzes an.
Hilfe für überforderte Eltern
Schon bevor sich eine Tendenz zur Vernachlässigung zeige, solle ein Gericht etwa eine Person beiordnen können, die mehrmals in der Woche die Familie besuche, so Zypries weiter. Dann könne auch angeordnet werden, dass die Eltern mit dem Kind in den Kindergarten oder zu einer Gesundheitsuntersuchung gehen. Sie wolle ein entsprechendes Modell vorlegen. Von verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen dagegen halte sie nichts. Schließlich erzögen fast alle Eltern ihre Kinder verantwortungsvoll.
Zum Schutz gefährdeter Kinder schlug Zypries zudem ein Anti-Gewalt-Training für Eltern vor. "Eltern, die ihr Kind vernachlässigen oder misshandeln, sind meist schlichtweg überfordert", heißt es in einem Gastbeitrag der SPD-Politikerin in der "Bild am Sonntag". Der Sozialstaat müsse diesen Menschen zur Seite stehen und dafür sorgen, dass jedes Kind eine Chance für die Zukunft bekommt.
NRW-Familienminister fordert Gesundheitstest für Kindergartenkinder
Nach Plänen des NRW-Familienministers Armin Laschet (CDU) sollen künftig schon Dreijährige vor der Aufnahme in einen Kindergarten einen Gesundheitstest absolvieren, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. Je früher Auffälligkeiten entdeckt würden, desto früher könnten die zuständigen Stellen eingreifen und helfen.
Der CDU-Politiker will sich auf der Jugendminister-Sonderkonferenz der Länder am 24. November für eine bundesweite Umsetzung seiner Pläne einsetzen. Bei den neuen ärztlichen Eingangsuntersuchungen für Kindergartenkinder soll auch gezielt auf Anzeichen für Misshandlungen und Vernachlässigung geachtet werden, hieß es. Als Vorbild für die Tests gelten die obligatorischen Gesundheitskontrollen für Schulanfänger.
NRW-Justizministerin begrüßt Debatte
Die nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) hat Vorschläge zum besseren Schutz von Kindern begrüßt. Die Vorschläge, die unter anderem einen stärkeren Einfluss von Familiengerichten auf Eltern vorsehen, seien gut geeignet, die rechtlichen Möglichkeiten für ein rechtzeitiges Eingreifen bei Gefährdungen des Kindswohls zu erweitern, erklärte Müller-Piepenkötter am Montag in Düsseldorf.
Nach Vorschlägen der Arbeitsgruppe "Familiengerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindswohls" sollen die Gerichte Eltern verpflichten zu können, Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe oder der Gesundheitsfürsorge anzunehmen. Sie sollen auch gerichtlich angewiesen werden können, für die Einhaltung der Schulpflicht ihrer Kinder zu sorgen.
Bundesjustizministerin schlägt Anti-Gewalt-Training für Eltern vor
Kinderschutz muss gestärkt werden
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