Bürger reagieren gelassen auf die Schweinegrippe

Nach der Panik

Wenige Wochen nach Beginn der Impfaktion gegen das H1N1-Virus in Nordrhein-Westfalen gehen die Menschen offenbar gelassen mit dem Thema Schweinegrippe um. So ist die Nachfrage nach Impfstoff gegen in den vergangenen 14 Tagen deutlich zurückgegangen. Anfängliche logistische Probleme bei der Nachlieferung des Impfstoffes scheinen beseitigt. Ärzte und das Gesundheitsministerium verweisen auf den milden Verlauf der Grippe bei den meisten Erkrankten.

 (DR)

Angesichts von inzwischen rund 30 000 Schweinegrippe-Erkrankten im Land und der rasanten Verbreitung des Virus sei allerdings jedem geraten, weiterhin auf verstärkte Hygiene zu achten, betont die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Kathrin Rebbe. 26 Menschen seien in Nordrhein-Westfalen bislang an dem Virus gestorben. «Aber fast alle von ihnen hatten schwerwiegende Vorerkrankungen wie beispielsweise Lungenleiden», sagt Rebbe.

Rund zwei Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe sind in NRW laut Ministerium bisher verteilt worden. Auch bei der Ausstattung mit dem Grippemittel «Tamiflu» sei das Land gut aufgestellt: «Wir haben für den Fall eines Engpasses für rund 30 Prozent der Bevölkerung zusätzliches Tamiflu eingelagert», sagt Rebbe. Weiterhin sei die spezielle Kinderversion des Mittels nun wieder verfügbar. Für den Fall eines Engpasses könnten die Apotheken eigene Mittel mischen.

Kaum noch Tests in Praxen
In den Arztpraxen würden Patienten mit Grippesymptomen meistens gar nicht mehr auf das H1N1-Virus getestet, weil es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso um die Schweinegrippe handele, sagt der Düsseldorfer Allgemeinmediziner Christoph Melin. Die meisten seiner Patienten reagieren ihm zufolge ziemlich gelassen auf ihre Grippeerkrankung. «Ich sage ihnen immer, sie brauchen keine Angst zu haben. Die Schweinegrippe verläuft meiner Meinung nach sogar harmloser als die normale saisonale Grippe», sagte Melin.

Dennoch impft der Allgemeinmediziner in seiner Praxis Bürger, die dies wünschen, gegen das H1N1-Virus. «Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er diesen Schutz will», sagt Melin und fügt hinzu: «Die Impfbereitschaft nimmt jedoch massiv ab.» Dies liege auch daran, dass die Menschen nun entspannter mit dem Thema umgingen, weil der Verlauf der Krankheit in den meisten Fällen nicht so dramatisch gewesen sei, wie anfangs befürchtet.

Informationsbedarf der Bevölkerung rückläufig
Auch in die zentrale Impfstelle der Landeshauptstadt kommen nach Angaben eines Stadtsprechers immer weniger Bürger. In der vergangenen Woche hätten sich gerade einmal 393 Menschen am Tag gegen das Virus impfen lassen, Anfang November seien es täglich noch mehr als 1500 gewesen. Ebenso melden die Gesundheitsämter in Bonn, Aachen, Köln und Bielefeld eine sinkende Nachfrage der behandelnden Ärzte nach Impfdosen gegen die Schweinegrippe. Damit hätten sich auch die anfänglichen Logistikprobleme entspannt, heißt es übereinstimmend.

Offenbar ist zudem der Informationsbedarf der Bevölkerung rückläufig. So wurde die Telefon-Hotline zum Thema «Schweinegrippe» im Kreis Coesfeld in der vergangenen Woche abgeschaltet. Zuletzt seien kaum noch Anrufe eingegangen, teilte ein Kreissprecher mit. Auch im Gesundheitsamt in Bielefeld rufen kaum noch besorgte Bürger an, wie Leiterin Ruth Delius berichtet: «Ich habe das Gefühl, die Menschen sind zur Tagesordnung übergegangen.»