Blog des Chefredakteurs aus dem Vatikan zur Weltsynode #3

Der mediale Druck

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte. Aber Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen gibt trotzdem seinen Senf dazu. Er beobachtet aus seinem "Rome-Office" die Weltsynode und beschreibt im Blog seine Eindrücke aus der ewigen Stadt.

Kardninal Müller bei EWTN. / © Screenshot (EWTN)
Kardninal Müller bei EWTN. / © Screenshot ( EWTN )

Die Synode war erst einen Tag alt, da konnte Kurienkardinal Müller dem Druck der Medien einfach nicht mehr widerstehen. Genau vor diesem medialen Druck hatte Papst Franziskus zuvor eindringlich gewarnt. Man möge aufeinander hören. Miteinander im fröhlichen, geduldigen Dialog bleiben, so Franziskus. Er wünsche sich mediale Enthaltsamkeit - die Journalisten müssten das verstehen. Kardinal Müller ist ein kluger Kopf. Er ist einer der obersten Papstversteher. Aber wahrscheinlich war es nicht die Eitelkeit des Kardinals, sondern der immense Druck der Journalisten. Ich kenne meine Zunft: Wegelagerer, die einem bei jeder Gelegenheit das Mikrofon unter die Nase halten. Doch Kardinal Müller saß im gut ausgeleuchteten TV-Studio von EWTN ...

Ingo Brüggenjürgen im Vatikan (DR)
Ingo Brüggenjürgen im Vatikan / ( DR )

Wochenlang vorher hatte es vor und hinter den Kulissen schwierige Gespräche gegeben, wie man die Medien draußen lassen könne. Es half alles nichts. Wenn der Druck zu groß ist, muss der Mensch Wasser lassen. Und wenn es einmal läuft, dann läuft es: Der ehemalige langjährige Chef der Glaubenskongregation erklärte noch einmal Kirche und Welt: Auch der Papst stehe unter dem Wort Gottes. Könne doch nicht einfach mal so die Kirche verändern. Kommunion für Wiederverheiratete z.B. - Gott bewahre. Der große Kardinal gab seinem argentinischen Nachfolger im Amt, Kardinal Fernández, bei der Gelegenheit auch sofort noch einen heftigen Seitenhieb zu dessen falschem Amtsverständnis mit. Er, Müller, sei immerhin 16 Jahre ein Professor der Dogmatik gewesen, lächelte er mitleidig in die Kamera, aber von solchen Ideen, die sein Nachfolger da verbreite, habe er nie etwas gehört ...

Eine Synode sei kein Parlament, eigne sich nicht für ideologische Grabenkämpfe - das waren die jüngsten Worte des Papstes, der Kardinal Müller eigens für die Synode nominiert hatte. Wie gut doch, dass es Fernsehstudios und Medien gibt, die die guten Kirchenmänner unter Druck setzen. Ach ja, bei ihm am Tisch sei die Stimmung eigentlich ganz gut gewesen, gab Kardinal Müller medial noch zu Protokoll. Aber man wisse ja nie, was nachher bei so einem Treffen herauskomme. Eine Bischofssynode mit stimmberechtigten Laien sei im Grunde auch gar keine richtige Synode, ehr so etwas wie eine Versammlung. Gut zu wissen, dass Kardinal Müller für sein Interview nicht von dieser "Versammlung" ausgeschlossen wird. "Es liegt immer in der eigenen Verantwortung - wir schicken ja nicht gleich die Polizei!", beruhigte der Pressechef des Vatikans die journalistischen Drückerkolonnen im "Sala Stampa".

Ingo Brüggenjürgen, Chefredakteur

Quelle:
DR