Bleibt die Ex-Abtei Mariawald ein spiritueller Ort?

Spiritualität im Touristenort

Vor ein paar Jahren ist das letzte Trappistenkloster in Deutschland aufgelöst worden: die Abtei Mariawald. Nun soll in dem Kloster in der Eifel ein geistliches Zentrum entstehen. Wie wird das aussehen?

Die ehemalige Abtei Mariawald / © Alice-D (shutterstock)
Die ehemalige Abtei Mariawald / © Alice-D ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Das Kloster liegt auf dem Gebiet vom Bistum Aachen. Ein Trägerverein hat es zunächst übernommen. Aber das Kloster ist ja auch eine richtig große Anlage mit Gästehaus, Kirche, Wirtschaftsgebäude, Gastronomie, einer Buchhandlung und sogar einer Likör-Produktion. Wie kompliziert ist es für das Bistum gewesen, das Kloster vom Orden zu übernehmen?

 Pfr. Rolf-Peter Cremer / © Andreas Steindl (Bistum Aachen)

Pfarrer Rolf-Peter Cremer (Erster Vorsitzender des Trägervereins des Klosters Mariawald und stellvertretender Generalvikar im Bistum Aachen): Zunächst war unsere Absicht damals, als deutlich wurde, dass das Kloster aufgelöst wurde, beziehungsweise, als das Kloster sich selbst aufgelöst hat, dass wir als Bistum ein hohes Interesse auf drei Ebenen hatten. Das erste war, diesen Ort zu erhalten als einen Ort der Ausstrahlung, der jahrhundertealten Tradition. Das zweite sind die die verschiedenen Bereiche, die es dort gibt. Es ist ein kleiner Arbeitgeber in einer kleinen Kommune, der deutlich merken würde, wenn das zusammenbrechen würde.

Und der dritte Punkt war, dass wir schauen wollten, dass dort auch nach Möglichkeit gesichert ist, dass die Mönche, die dort gelebt haben, auch weiterhin versorgt werden. Dass die, die bisher über ihre jahrhundertealte Tradition entsprechend dafür gesorgt haben, dass die Nachkommen von ihnen weiter existieren konnten, dass jetzt die letzten Mönche auch bis zu ihrem Lebensende gut versorgt werden. Das waren unsere drei Ziele und deshalb haben wir als Bistum damals in einer etwas komplizierten Geschichte den Förderverein genommen, beziehungsweise uns als Trägerverein gegründet, um damit direkt auch in die Trägerschaft eintreten zu können.

DOMRADIO.DE: Und am 1. Januar 2021 ist dann der Betrieb durch die Kloster Mariawald GmbH übernommen worden, also vom Verein zur GmbH. Gehört das Kloster dann jemandem privat oder wie muss man sich das vorstellen?

Cremer: Die entsprechenden Besitzer dieser GmbH hatten ja gute Erfahrungen gemacht und wir mit denen auch, im Kloster Steinfeld. Das heißt, dass dort auch ein anderes Kloster, wo noch mehr Mönche sind, betriebsmäßig übernommen wurde und damit deutlich wurde: Diese GmbH hat eine Power, um auch insbesondere das Gästehaus wieder neu aufzubauen in Mariawald. Das war also eine gute Gelegenheit, dass diese GmbH an uns herangetreten ist. Nachdem wir auch über viele Monate versucht hatten zu schauen, ob es einen anderen Orden gibt, der dort hinkommt.

Aber die Orden werden immer kleiner. Dass es jetzt einen Orden, der in die Eifel hineingeht, um dort alles neu aufzubauen, hätte ein entsprechendes Investitionsvermögen verlangt. Die GmbH will das stemmen und kann das unserer Einschätzung nach auch stemmen, sodass diese Seite auch gut gesichert ist. Wir haben mit denen einen Erbpachtvertrag gemacht, damit die jetzt dort schalten und walten können über die Gebäude und über das, was jetzt alles umgebaut werden wird in Richtung eines Gästehauses. Die anderen Sachen bleiben bestehen. Also die Buchhandlung bleibt bestehen, die Likör-Fabrik bleibt bestehen, beziehungsweise wird sie weiter fortgeführt.

Und die können die Gastronomie aufgreifen, als eigenständige Gastronomie, aber auch zukünftig für die Bewirtung der Gäste. Für uns war entscheidend: Wir sind als Trägerverein auch weiterhin zuständig für die Kirche. Dass wir dort auch schauen konnten, dass die Angebote, die "in der Kirche" drin sind, auch weiterhin im Geiste der Mönche, beziehungsweise als Ausstrahlungsort Mariawald, dort weiterhin vollzogen werden konnten.

DOMRADIO.DE: Die geistliche Leitung des Ortes soll jetzt ein Priester aus dem Bistum Essen übernehmen. Wie muss man sich das vorstellen?

Cremer: Das war auch für uns etwas überraschend. Die GmbH hatte Ausschau gehalten nach Menschen und Ordensgemeinschaften, die dort hinkommen könnten, genauso wie wir. Aber das war schwierig. Dann hat es sich durch Zufall gefügt, dass der Pfarrer Rose persönlich entschieden und mit seinem Bischof auch abgestimmt hat, dass er in einer neuen Weise, in einer anderen Weise, auch Ansprechpartner sein möchte für Menschen, die auf der Suche sind. Der Vorteil ist ja der, dass er sich im Grunde hier überhaupt nicht um was kümmern muss, was mit materieller Absicherung zu tun hat.

Der muss jetzt nicht dafür sorgen, dass dort die Kurse belegt werden und so weiter. Sondern der kann dort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und wird jetzt in einer gewissen Weise auch in einem Experiment dort geistlich tätig sein. Das begleiten wir von Bistumsseite aus und vom Trägerverein aus sehr eng, weil er auch Angebote gottesdienstlicher Art bieten wird. Er wird natürlich auch Eucharistie feiern, aber auch Wortgottesfeiern, dafür braucht er auch die Kirche. Von daher sind wir da sehr eng aufeinander verwiesen.

DOMRADIO.DE: Bei so einer Übernahme stellt sich schon auch immer die Frage nach den Finanzen. Denn ganz ohne Geld geht es auch nicht. Da kann so ein spiritueller Ort auch nicht weiter existieren, oder?

Pfarrer Rolf-Peter Cremer

"Viele Exerzitienhäuser findet man kaum, weil man nicht weiß, wo die sind. Mariawald ist so ein Touristenort, da sind ständig Wanderer, Motorradfahrer, Touristinnen und Touristen."

Cremer: Ja, das ist eigentlich nicht so schlecht aufgestellt, weil die Träger-GmbH, die das übernimmt, auch die komplette Verantwortung für diesen Umbau übernommen hat. Das heißt, das läuft alles bei denen und wir haben denen meines Erachtens einen fairen Preis gemacht, auch im Sinne der Mieter, also der Pacht, die die zahlen müssen, damit wir mit dem Geld die Mönche weiterhin bezahlen können, die ja noch leben und die wir versorgen müssen. Und Pfarrer Rose ist ja nicht darauf angewiesen, dass er jetzt wie ein Bettelmönch dort Geld für sein Gehalt erbetteln muss.

DOMRADIO.DE: Jetzt könnte man durchaus die Frage stellen, ob man wirklich noch ein weiteres Exerzitienhaus braucht. Glauben Sie, dass Mariawald ein eigenes Profil entwickeln kann und dann auch wirklich ein spiritueller Ort bleibt?

Cremer: Es ist ja in dem Sinne kein Exerzitienhaus. Sondern es ist ein Haus, in dem Gäste sind und da werden auch andere Kurse sein. Da wird es Bildungskurse geben, Yoga-Kurse, da werden Leute auch nur so übernachten, weil sie gerne Urlaub in der Eifel machen wollen. Und Pfarrer Rose baut da ein Angebot auf. Das heißt, man ist nicht darauf angewiesen, dass nur seine Angebote da eine Rolle spielen, sondern die anderen Angebote sind auch da.

Den Verantwortlichen der GmbH ist es wichtig, dass die sagen: Wir möchten aber - und das in enger Abstimmung auch mit uns als Bistum - auch nach Möglichkeit geistige Angebote machen, die aber nicht nur in Kursarbeit bestehen. Sondern der Pfarrer Rose hat da auch Ideen, dass er auch Leute ansprechen will, die nach Mariawald kommen. Das ist ja das Schöne. Viele Exerzitienhäuser findet man kaum, weil man nicht weiß, wo die sind. Mariawald ist ein Touristenort, da sind ständig Wanderer, Motorradfahrer, Touristinnen und Touristen. Er sagte mir auch: "Ich geh nur auf den Parkplatz und treffe Leute." Also er ist nicht darauf angewiesen, dass er jetzt die Kurse vollbekommen muss.

Das Interview führte Hannah Krewer. 

Quelle:
DR