Ebenfalls wieder aufgetaucht ist ein aus der Familie von Galens stammendes Altarkreuz, das dem Benediktinerinnen-Kloster Dinklage gehört. Der Andrang von Fernsehen, Hörfunk und Presse ist deshalb bei der Übergabe der beiden Gegenstände am Montag in Wuppertal riesig. Kameras nehmen jedes Detail der beiden Gegenstände in den Fokus. Staatsanwaltschaft, Polizei und natürlich die Vertreter des Bistums Münster müssen unzählige Fragen beantworten.
Stab und Kreuz waren im Juni 2009 von Dieben aus der Basilika in Essen-Werden gestohlen worden. Beide Gegenstände waren Teil einer Ausstellung über den als "Löwen von Münster" bekanntgewordenen Kardinal von Galen (1878-1946). Eine Ermittlergruppe der Polizei Wuppertal nahm die Spur der Diebesbande auf, die vermutlich mehrere ähnliche Delikte in jener Zeit begangen hatte. Die Täter konnten relativ schnell ermittelt werden. Sie wurden inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, schwiegen aber zum Verbleib des Diebesgutes. Von Bischofsstab und Kreuz fehlte lange fast jede Spur.
"Ein bewegender Moment"
Jetzt hat der Haupttäter die Rückgabe "veranlasst", wie Staatsanwältin Liane Brosch es ausdrückt. Leicht beschädigt seien beide Teile "in einer Rechtsanwaltskanzlei abgegeben worden". Und sie fügt hinzu: "In Deutschland". Mehr ist dazu an diesem Tag kaum zu erfahren. Es wird lediglich gesagt, dass die Diebe oder Mittelsmänner anscheinend versucht haben, das Diebesgut in Polen in bare Münze umzusetzen. 50.000 Euro sei ihr Preis gewesen, heißt es.
Münsters stellvertretendem Generalvikar Jochen Reidegeld sind solche Details an diesem Tag egal. Er ist einfach nur glücklich. "Für die ganze Kirche von Münster ist das ein bewegender Moment", sagt er. Schließlich hätten Stab und Kreuz für das Bistum eine ganz besondere Bedeutung, die weit über ihren materiellen Wert hinausgehe. Und er erinnert an das Wirken von Galens, der sich den Nationalsozialisten mutig entgegenstellte. Mit seinen Predigten stoppte von Galen damals die Ermordung Behinderter. Vor sieben Jahren wurde er seliggesprochen. Dass der Stab als Symbol und Identifikationsobjekt wieder da ist, sei "Anlass zu tiefer Freude", so Reidegeld.
Zurück in die Domschatzkammer
Nicht anders empfindet dies der Chefkonservator der Diözese und Direktor der Domschatzkammer, Udo Grote. Er kennt jede Einzelheit an Stab und Kreuz, sieht die kleinsten Beschädigungen. Nach seiner Ansicht lassen sich beide Stücke vollkommen restaurieren. Am Stab haben die Diebe mit Königswasser untersucht, ob er aus purem Gold ist. Ist er natürlich nicht, sondern wie üblich aus Silber gefertigt und vergoldet. Das abgeätzte Gold lässt sich wieder auftragen. In der Krümme sind Gravuren eingearbeitet, auch hier sind leichte Schäden entstanden. Am Kreuz, erläutert Grote, seien die Edelsteine ebenfalls auf ihre Echtheit überprüft worden und dadurch nicht mehr korallenfarben, sondern weiß. "Einer der besten Goldschmiede" werde mit den Arbeiten betraut, verspricht der Kunstexperte.
Dann legen Reidegeld, Grote und die Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei in Dinklage, Schwester Franziska Lukas, weiße Handschuhe an. Feierlich erfolgt die Übergabe durch Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher. Noch einmal geht ein Blitzlichtgewitter auf das so bedeutende sakrale Kunstgut nieder. Der Stab soll bald wieder in der Domschatzkammer ausgestellt werden, das Kreuz geht zurück ins Kloster. Für die Sicherheit beider Stücke sei selbstverständlich gesorgt. Dann bleibt nur noch die Frage des Abtransports. Schweigen bei allen Beteiligten. Auch das bleibt ein Geheimnis an diesem Tag.
Bistum Münster erhält gestohlenen Bischofsstab zurück
Manches bleibt rätselhaft
"Sakrales Kunstgut sichergestellt", heißt es lapidar in einer Mitteilung der Polizei in Wuppertal am Freitag. Dass dahinter mehr steckt, ist schnell klar: Der 2009 gestohlene Bischofsstab des früheren Münsteraner Kardinals Clemens August Graf von Galen ist wieder da. Geklärt sind damit aber längst nicht alle Fragen.
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