Bistum Limburg: Diözesanversammlung berät Missbrauchsaufarbeitung

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Katholikenvertreter im Bistum Limburg haben sich mit der Prävention von sexuellem Missbrauch befasst. Das Bistum will unabhängige Experten beauftragen, die Aus- und Weiterbildung von Seelsorgern sowie Informationsabläufe prüfen.

Limburger Bistumswappen / © Harald Oppitz (KNA)
Limburger Bistumswappen / © Harald Oppitz ( KNA )

 Die Diözesanversammlung im Bistum Limburg hat sich wiederholt für die Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle im Bistum ausgesprochen. Zuvor hatte Professor Dr. Dieter Hermann, Kriminologe und Mitglied des Kuratoriums der Missbrauchsstudie, Einblicke in die Missbrauchsstudie gegeben.

"In größerem Ausmaß verharmlost und vertuscht"

In seinem Vortrag wies er auf institutionelle Bedingungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche als Organisation hin. Für das Projekt seien mehr als 38.000 Personalakten der katholischen Kirche ausgewertet worden. Insgesamt handle es sich um 1.600 Beschuldigte. Informationsquellen für die Studie seien die 116 Staatsanwaltschaften in Deutschland, die Generalvikare aller 27 Diözesen, Medienberichte und die Landes- und Staatsarchive gewesen. Diese Untersuchung habe zu interessanten Ergebnissen geführt.

"Die Taten von Klerikern der katholischen Kirche sind ebenso schwer wie von Mitgliedern anderer Institutionen", berichtete Hermann. Die in der katholischen Kirche zusätzlichen Normensysteme (Kirchenrecht, Zölibat, Christliche Religion) seien in Bezug auf den sexuellen Missbrauch Minderjähriger nicht handlungsrelevant. Die Normensysteme führten jedoch eher zu einem schlechten Gewissen und zu Reue. Das Augenmerk ist auf die spezifischen Strukturmerkmale der katholischen Kirche zu richten, die sexuellen Missbrauch Minderjähriger begünstigen", so Hermann. Deshalb habe er in einer Studie alle relevanten Strafverfahren systematisch erfasst.

Mit Blick auf die Studie habe sich zudem gezeigt, dass Klerikalismus die Verharmlosung und Vertuschung von Vorwürfen gegen Kleriker fordert, weil sie als Gefährdung der Institution wahrgenommen würden. "Die katholische Kirche hat Vorwürfe gegen Kleriker in größerem Ausmaß verharmlost und vertuscht als andere Institutionen", sagte der Kriminologe. "Beim Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker handelt es sich nicht nur um das Fehlverhalten Einzelner.

Folgen von sexuellem Missbrauch

Barbara Koepper von der Beratungsstelle "Gegen unseren Willen" berichtete, welche Folgen sexueller Missbrauch haben kann. Opfer litten oft unter Angstgefühlen, Schlafstörungen und Albträumen, sagte die Beraterin, die seit Jahrzehnten mit Betroffenen zusammen arbeitet. Es könne zu depressiven Reaktionen und Aggressionen kommen, zu Esstörungen, zu Schmerzen ohne organischen Befund, zum sozialen Rückzug und geringem Selbstwertgefühl, zu Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall und zu Suizidgedanken.

"Eine Folge von sexuellem Missbrauch können körperliche, seelische und moralische Traumatisierungen sein", erklärte Koepper. Häufig trete eine Überforderung ein und vorhandene Bewältigungsstrategien reichten dann nicht mehr aus. Im Gehirn entstünden dann Stressreaktionen und es komme zu einer Reizüberflutung der Sinne. "Jeder Mensch reagiert unterschiedlich", so Koepper. Viele Opfer litten jedoch lebenslang an den Folgen des Missbrauchs.

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