Bischof stoppt Ansiedlung neuer Gemeinschaft im Kloster Wonnenstein

Besorgte Rückmeldungen

Der Einzug der Gemeinschaft "Maria Stella Matutina" ins Kloster Wonnenstein ist vom Tisch. Nach Gesprächen mit französischen Kirchenvertretern sieht der Bischof keine Grundlage mehr für eine verantwortbare Ansiedlung.

Symbolbild Ordensschwester im Gebet / © Cornelis Gollhardt (KNA)
Symbolbild Ordensschwester im Gebet / © Cornelis Gollhardt ( KNA )

Nach massiver Kritik hat der St. Gallener Bischof Beat Grögli die geplante Ansiedlung der Schwesterngemeinschaft "Maria Stella Matutina" im Schweizer Kloster Wonnenstein gestoppt. "Nach eingehender Prüfung neuer Informationen im Zusammenhang mit der Vorgeschichte der Gemeinschaft 'Maria Stella Matutina' hat Bischof Beat Grögli entschieden, dass die Schwestern nicht ins Kloster Wonnenstein einziehen werden", heißt es in einer Stellungnahme des Bistums am Mittwoch.

Gespräche mit hochrangigen Vertretern der französischen Kirche ergaben demnach ein Gesamtbild, das aus Sicht des Bischofs eine Ansiedlung nicht mehr verantwortbar mache, so das Bistum weiter. Die Gemeinschaft selbst erklärte in einer Stellungnahme, dass eine Ansiedlung nur auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und in einer wohlwollenden Atmosphäre möglich sei.

Kritik an Gemeinschaft

Auslöser für die Entscheidung seien zahlreiche besorgte Rückmeldungen von Betroffenenorganisationen und Schweizer Ordensoberen gewesen, nachdem bekannt geworden war, dass der Verein Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein eine Absichtserklärung mit der Gemeinschaft unterzeichnet hatte.

Die Kritik an "Maria Stella Matutina" steht im Zusammenhang mit der Entstehung der Gemeinschaft. Sie wurde 2014 in Spanien gegründet und ging aus einer Abspaltung der Johannesgemeinschaft hervor. Deren Gründer, der Dominikaner Marie-Dominique Philippe, gilt als Missbrauchstäter. Berichte und Zeugenaussagen dokumentieren sexuellen und spirituellen Missbrauch sowie Machtmissbrauch innerhalb der Ursprungsgemeinschaft. Im Jahr 2019 stand Philippe im Zentrum des Arte-Dokumentarfilms "Gottes missbrauchte Dienerinnen".

Bischof Beat Grögli (Bistum St. Gallen)

Die französische Zeitung "La Croix" berichtete, dass kirchliche Auflagen bei der Ausgründung teilweise nicht umgesetzt worden seien.

Ehemalige Mitglieder schildern laut "La Croix" psychischen Druck, Abschottung und ein autoritäres System. Die Gemeinschaft "Maria Stella Matutina" weist die Vorwürfe zurück.

Konflikt um Kloster Wonnenstein

Nach einem jahrelangen Konflikt um die letzte verbliebene Ordensfrau in dem ehemaligen Kapuzinerinnenkloster Wonnenstein hatte der Trägerverein des Klosters Ende 2025 bekannt gegeben, dass vor Weihnachten 2026 Schwestern der Gemeinschaft Maria Stella Matutina das Kloster wiederbeleben sollten. Der Einzug der neuen Gemeinschaft wäre möglich gewesen, nachdem die 81-jährige Kapuzinerin Scolastica Schwizer das Kloster im Oktober verlassen hatte. Sie war jahrelang allein dort geblieben und hatte sich einem Wegzug widersetzt.

Schwizer scheiterte mehrfach mit juristischen Schritten gegen den Trägerverein des Klosters. Gerichte bestätigten zuletzt, dass sie weder Anspruch auf die Verwaltung ihres Privatvermögens habe noch ihre Altersrente behalten darf. Dagegen legte die Ordensfrau Beschwerde in Rom und in der Schweiz ein.

Quelle:
KNA