Bischof in Pakistan hofft auf Schutz durch Justiz

Menschen vor Ort "verbreiteten die Realität"

In Pakistan kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen Christen. Die Gerichte kümmern sich meist nicht wirklich darum. Nun erging aber eine Entscheidung, die Betroffene hoffen lässt.

Jugendliche stehen vor einer Kirche, die beschädigt und niedergebrannt wurde / © Muhammad Shafqat (dpa)
Jugendliche stehen vor einer Kirche, die beschädigt und niedergebrannt wurde / © Muhammad Shafqat ( dpa )

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz in Pakistan, Bischof Samson Shukardin, hat die jüngste Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Thema Christenverfolgung begrüßt. 

Christen in Pakistan bei einem Protestmarsch / © Shahzaib Akber (dpa)
Christen in Pakistan bei einem Protestmarsch / © Shahzaib Akber ( dpa )

Es sei das erste Mal gewesen, dass das Problem von dem Gericht ernst genommen worden sei, sagte der Bischof der Diözese Hyderabad dem internationalen katholischen Hilfswerk "Kirche in Not".

Laut dessen Mitteilung vom Freitag aus München bewertete der Kirchenmann dies als "sehr positiv für uns Christen".

Christliche Häuser wurden in Brand gesteckt

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hatte den Bericht der zuständigen Staatsanwaltschaft über die Angriffe auf Christen und Kirchen in der Stadt Jaranwala Mitte August 2023 abgelehnt. 

Bei den Ausschreitungen war den Angaben des Hilfswerks zufolge eine wütende Menschenmenge auf 25 Kirchen und gut 100 Häuser von Christen losgegangen und hatte diese in Brand gesteckt. Auslöser soll mutmaßlich eine Behauptung gewesen sein, dass zwei christliche Männer Seiten aus dem Koran gerissen hätten.

Ermittlungsbehörden fehlt Entschlossenheit 

Der Oberste Richter Pakistans bezeichnete den vorgelegten Bericht der Generalstaatsanwaltschaft der Provinz Punjab, in der die Stadt Jaranwala liegt, als "wert, in den Mülleimer geworfen zu werden", wie es heißt. 

So hätten darin relevante Informationen, Einzelheiten über Verhaftungen und Gerichtsverfahren gefehlt. Außerdem habe es den Ermittlungsbehörden an Entschlossenheit gemangelt, die Täter vor Gericht zu stellen.

Christliche Frauen demonstrieren im pakistanischen Lahore gegen den jüngsten Angriff eines wütenden muslimischen Mobs auf ein christliches Viertel / © K.M. Chaudary/AP +++ dpa-Bildfunk +++  (dpa)
Christliche Frauen demonstrieren im pakistanischen Lahore gegen den jüngsten Angriff eines wütenden muslimischen Mobs auf ein christliches Viertel / © K.M. Chaudary/AP +++ dpa-Bildfunk +++ ( dpa )

Bei einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof zum vorgelegten Bericht erklärte demnach ein Justizbeamter aus Punjab, dass nach 304 Verhaftungen lediglich 22 Fälle registriert und nur 18 Anklageschriften gesammelt worden seien. Das Gericht ordnete daraufhin an, dass binnen zwei Wochen ein neuer Bericht vorgelegt werden müsse.

Das Vertrauen in die Arbeit der Polizei, Angriffe auf Christen zu verfolgen, sei gering, sagte ein weiterer Kirchenvertreter dem Hilfswerk. "Jedes Mal, wenn es zu einem Vorfall kommt, verhaftet die Polizei Leute, aber nichts geschieht." 

Bischof Shakurdin erläuterte, die Bewohner von Jaranwala, darunter auch Muslime, hätten über die sozialen Medien Einzelheiten über die Taten, einschließlich Bilder und Videos, geteilt.

Keine Verletzten oder Tote

"Die Menschen vor Ort waren die ersten, die die Nachricht in Umlauf brachten. Mit anderen Worten: Sie verbreiteten die Realität. Sie haben gezeigt, dass die Dinge nicht so laufen dürfen", so der Bischof. Trotz der gewalttätigen Ausschreitungen seien keine christlichen Einwohner verletzt oder getötet worden, hieß es.

Christen in Pakistan

Staatsreligion in Pakistan ist der Islam, 96 Prozent der Einwohner sind Muslime. Das Christentum ist nach dem Hinduismus die zweitgrößte Minderheitsreligion im Land. Gleichzeitig sind die Christen dort besonders bedroht. Wegen Blasphemie verhängen die Gerichte immer wieder Todesstrafen. Dabei genügen schon des Trinken aus einem Brunnen oder eine unliebsame Kurznachricht als Grund. (DR, 01.01.2021)

Pakistanische Christen feiern wegen Corona-Maßnahmen zu Hause Gottesdienst / © Fareed Khan (dpa)
Pakistanische Christen feiern wegen Corona-Maßnahmen zu Hause Gottesdienst / © Fareed Khan ( dpa )
Quelle:
KNA