Bischof Bätzing teilt seine Gedanken zur Weltsynode

"Es kann kein Zurück mehr geben"

Bischof Georg Bätzing hat sich mit seinem entschlossenen Reformkurs in Rom wenig Freunde gemacht. Vor der Weltsynode erzählt er von seinen Erwartungen und warum es kein Zurück mehr hinter die vom Papst geebneten Erneuerung geben kann.

Bischof Georg Bätzing / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Georg Bätzing / © Julia Steinbrecht ( KNA )

dpa: Am Mittwoch beginnt die Weltsynode in Rom. Haben Sie eine Vorstellung davon, was der Papst mit dieser Konferenz erreichen will?

Georg Bätzing (Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz): Der Papst lädt ein zum Zuhören und zu einem gemeinsamen Nachdenken über den Begriff Synodalität. Das Wort ist theologisch vielschichtig. Vor allem geht es ihm darum, wie die Kirche im 21. Jahrhundert noch mehr Gemeinschaft sein kann. Dabei sieht er auf die Tradition und hat genau so die Notwendigkeit von Reformen im Blick.

dpa: Sie haben gesagt, dass Sie sich von der Synode konkrete Veränderungen erhoffen, insbesondere bei den Themen, die vielen Gläubigen in Deutschland wichtig sind – zum Beispiel die Position der Frauen in der Kirche oder die Einstellung zu Homosexualität. Aber da ist doch absolut nichts zu erwarten, das haben der Papst und sein Synodenchef Jean-Claude Hollerich schon zur Genüge deutlich gemacht. Gehen Sie da nicht mit falschen Erwartungen nach Rom?

Georg Bätzing

"In vier Wochen werden wir keine konkreten Ergebnisse haben, aber eine gute Vorbereitung, um Ergebnisse zu erreichen."

Bätzing: Ich bin überzeugt, dass alle Themen auf den Tisch kommen, diesen Oktober im ersten Teil und Oktober 2024 im zweiten Teil. Schon das Vorbereitungsdokument nennt ja alle Fragestellungen, die wir in Deutschland kennen. Und die Fragen zu Reformen sind von vielen Ländern im Vorfeld eingebracht worden. In vier Wochen werden wir keine konkreten Ergebnisse haben, aber eine gute Vorbereitung, um Ergebnisse zu erreichen.

dpa: Sie haben auch angemahnt, dass der Papst die Ergebnisse der Synode am Ende nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch beherzigen sollte. Das heißt also, eine Synode nur um des Miteinander Redens willen, das wäre Ihnen zu wenig?

Bätzing: Der Papst war bereits für mehrere Synoden in seinem Pontifikat verantwortlich und hat einen neuen Stil geprägt. Dabei sind am Ende wichtige Dokumente herausgekommen. Ich bin dankbar, dass wir in der Kirche mit diesen Ergebnissen arbeiten. Das sind kleine Schritte, aber wichtige. Dieser Papst wird nicht nur Zuhören und Reden lassen, sondern er wird handeln. Und ich hoffe, dass die Synode ihm dazu Impulse gibt.

Fünfte Synodalversammlung in Frankfurt / © Maximilian von Lachner (SW)
Fünfte Synodalversammlung in Frankfurt / © Maximilian von Lachner ( SW )

dpa: Generalrelator Hollerich wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Synode nicht so ablaufen soll wie die deutschen Synodalversammlungen. Da wurde seines Erachtens viel zu heftig miteinander diskutiert, was der luxemburgische Erzbischof darauf zurückführt, dass die Deutschen jetzt ihr Schweigen während der Nazizeit kompensieren. Können Sie diese Sicht nachvollziehen?

Bätzing: Ich fand den Vergleich wenig hilfreich. Natürlich ist die Weltsynode in Rom etwas anderes als eine Synodalversammlung in Deutschland. Aber das ist doch gut so, dass es verschiedene Formate gibt. Wir bringen unsere Erfahrungen der Synodalversammlung mit ein so wie die Freunde aus Australien, Lateinamerika und einigen anderen Ländern es mit ihren Synoden erlebt haben.

dpa: Der Papst, Hollerich und andere sagen, die Synode müsse sich vom Heiligen Geist leiten lassen. Können Sie einmal für Außenstehende erklären, was das heißen soll? Besteht hier nicht die Gefahr, einer Illusion zu erliegen und am Ende eine höhere Autorität für die eigenen Überzeugungen in Anspruch zu nehmen?

Georg Bätzing

"Aber der Heilige Geist braucht ein Instrument – das sind wir Menschen."

Bätzing: Der Heilige Geist ist eine Realität im Glauben unserer Kirche. Ich will mich auf den auch verlassen. Aber der Heilige Geist braucht ein Instrument – das sind wir Menschen. Und deshalb hoffe ich auf ein geistvolles Miteinander bei der Synode.

dpa: Es gibt Kritik daran, dass die Synode hinter verschlossenen Türen stattfindet. Fänden Sie es besser, wen sie öffentlich wäre?

Bätzing: Es braucht Räume des vertraulichen Miteinanders. Aber wenn der Papst sagt, das ganze Volk Gottes soll an der Synode teilhaben, kann das nicht nur aus Beten bestehen. Da muss schon etwas mehr kommen.

dpa: Kritiker des Synodalen Wegs aus der römischen Kurie halten den Deutschen immer wieder vor, dass ihre Einstellungen etwa zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare oder zur Öffnung von Weiheämtern für Frauen vom Großteil der Weltkirche nicht geteilt würden. Fakt ist ja, dass Homosexualität etwa in vielen afrikanischen Ländern – auch mit hohem Katholikenanteil – unter Strafe steht. Droht hier auf der Synode ein Zusammenstoß der Kulturen?

Georg Bätzing

"Wir müssen einen gemeinsamen Weg der Kirche in den unterschiedlichen Kulturen finden, das heißt Einheit aber nicht Einförmigkeit."

Bätzing: Es werden auf der Synode die verschiedensten Kulturen zusammenkommen. Und da gilt es, einander zuzuhören und nicht zusagen: Ich habe Recht, Du nicht. Wir müssen einen gemeinsamen Weg der Kirche in den unterschiedlichen Kulturen finden, das heißt Einheit aber nicht Einförmigkeit.

dpa: Kennen Sie die Fernsehserie "The Young Pope" mit Jude Law?

Bätzing: Noch nicht...

dpa: In der Serie geht es um einen Papst, der sich als reaktionär herausstellt und dem Amt seine frühere Mystik und Macht zurückgeben will. Das ist überdreht, aber das Szenario, dass als nächstes ein sehr konservativer Papst etwa aus Afrika oder Asien gewählt werden könnte, ist ja alles andere als unwahrscheinlich. Die deutsche Kirche wäre dann noch viel isolierter als jetzt unter Franziskus. Hand aufs Herz: Haben Sie manchmal Angst davor, dass so etwas geschehen wird?

Kardinäle beim Konsistorium am 30. September 2023 auf dem Petersplatz im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA (KNA)
Kardinäle beim Konsistorium am 30. September 2023 auf dem Petersplatz im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA ( KNA )

Bätzing: Ich bin Optimist – auch in der Kirche. Und die jüngsten Kardinalsernennungen vom vergangenen Wochenende stärken diesen Optimismus bei mir. Es kann kein Zurück mehr geben auf dem Weg, den Franziskus eingeschlagen hat. Darüber müssen sich auch potenzielle Nachfolger im Klaren sein.

dpa: Deutsch wird auf der Synode nicht gesprochen, Sie müssen sich also einer anderen Sprachgruppe anschließen. Wie ist Ihr Italienisch?

Bätzing: Ich werde in der englischsprachigen Sprachgruppe sein und bin dankbar, dass es gute Menschen an meiner Seite gibt, die mir beim Italienischen helfen werden. Das klappt schon seit einigen Jahren sehr gut.

Das Interview führte Christoph Driessen (dpa).

Georg Bätzing

Georg Bätzing wurde am 13. April 1961 in Kirchen (Sieg) geboren. Er studierte Philosophie und Theologie an der Universität Trier und der Universität Freiburg.

1987 wurde er in Trier zum Priester geweiht. Von 1996 bis 2010 war er als Leiter des Priesterseminars für die Priesterausbildung im Bistum Trier verantwortlich. Bereits 2007 übernahm er die Leitung der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier. Ab November 2012 war Bätzing Generalvikar des Bistums Trier.

Bischof Georg Bätzing / © Bert Bostelmann (KNA)
Bischof Georg Bätzing / © Bert Bostelmann ( KNA )
Quelle:
dpa