Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erklärte am Donnerstag in Bonn, er unterstütze das Anliegen, die Religionsfreiheit auf europäischer Ebene "stärker in den Vordergrund zu rücken und auch personell zu verankern". Einen entsprechenden Vorschlag hatten jüngst die Unions-Bundestagsfraktion sowie die ÖVP-Fraktion im österreichischen Nationalrat unterbreitet.
Angesichts der Gefahren für religiöse Minderheiten weltweit zeigte sich Schick besorgt. "Religiöse Minderheiten sind vielfach existentiell bedroht, im Irak wird uns dies aktuell in aller Deutlichkeit vor Augen geführt", sagte der Erzbischof. Jüngst waren die letzten Christen aus der nordirakischen Millionenstadt Mossul vertrieben worden. Die Stadt ist unter Kontrolle der sunnitischen Terrororganisation "Islamischer Staat". Die Vertreibung war auf scharfe internationale Kritik gestoßen.
Ein EU-Beauftragter für Religionsfreiheit könne ein wichtiges Zeichen für mehr religiöse Toleranz sein, erläuterte der Erzbischof. "Insbesondere sollte er sein Augenmerk auf die schwerwiegenden Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit im Nahen und Mittleren Osten, aber auch in Teilen Asiens und Afrikas legen." Schick ist Vorsitzender der Weltkirche-Kommission der Bischofskonferenz.
Die EU-Kommission wird in Kürze neu zusammengesetzt. Sie hat bisher eine Reihe von Beauftragten in verschiedenen Bereichen. So bemüht sich der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber seit 2007 um den Bürokratieabbau in den Behörden der Europäischen Union. Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (beide CSU) war nach seinem Rücktritt 2011 für kurze Zeit EU-Internetbeauftragter.
Volker Kauder warnt vor "christenfreier Zone" im Irak
Auch der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) sieht die Gefahr, dass große Teile des Irak zur "christenfreien Zone" werden könnten. Es sei zum Verzweifeln, dass es keinen Aufschrei gegen die Brutalität gebe, mit der die Islamisten in dem Land vorgingen, sagte Kauder am Donnerstag im Interview mit dem Deutschlandfunk.
Die internationale Staatengemeinschaft sei gefordert, so Kauder weiter. Die USA müssten sich der Situation stärker annehmen, vielleicht sei auch eine UN-Mission notwendig. Wenn irakische Christen nach Deutschland kämen, dann müsse ihnen Asyl gewährt werden. Das sei "völlig selbstverständlich".
Desweiteren forderte Kauder, Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Unterstützung für die Menschen im Irak zu prüfen. Dabei gehe es vor allem um die Frage, wie Hilfe die Menschen erreichen könne. Möglich sei das etwa über eine Zusammenarbeit mit den christlichen Hilfswerken.
Zur aktuellen Debatte über deutsche Rüstungsexporte betonte Kauder, dass Deutschland keine Waffen in Krisengebiete liefern werde: "Wir haben eine klare Richtlinie in Deutschland." Waffenlieferungen in andere Länder komplett auszuschließen, halte seine Partei jedoch nicht für richtig.
Muslime: Solidarität mit Christen
Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ist besorgt über die Lage der Christen im Irak. Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek nannte die Vertreibung irakischer Christen durch die Terrorgruppe IS am Donnerstag in Köln einen "Akt des Unrechtes".
Diese Taten widersprächen dem Islam. Mazyek erinnerte daran, dass Solidarität und Mitmenschlichkeit zentrale Lehren in allen abrahamitischen Religionen seien. "Wer Frieden will, macht diese Werte zum allgemein verbindlichen und verpflichtenden Maßstab, an dem wir uns alle - Juden, Christen und Muslime - messen lassen müssen."