Armee und islamistische Gruppen in Burkina Faso verüben laut einem Bericht gravierende Gräueltaten gegen die Bevölkerung.
Sämtliche Beteiligte des bewaffneten Konflikts seien für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich, hieß es in einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Militärjunta unter Übergangspräsident Ibrahim Traoré gehe brutal gegen die Zivilbevölkerung vor und unternehme auch keine ernsthaften Schritte, um Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, kritisierten die Autorinnen und Autoren.
Seit 2016 kämpfen islamistische Gruppen, darunter die mit Al-Kaida verbundene Gruppe JNIM, gegen die Regierung des westafrikanischen Staates. Das Militär putschte sich 2022 unter anderem unter Verweis auf die schlechte Sicherheitslage an die Macht. Doch die Situation hat sich nicht verbessert.
Ethnische Säuberungen und Blockade von Hilfe
Der Terrorgruppe JNIM wirft HRW Entführungen und Ermordungen von Zivilistinnen und Zivilisten vor, ebenso wie die Belagerung zahlreicher Orte und die Blockade von Versorgung und Bewegungsfreiheit.
Die Islamisten trügen damit zu Hunger und Krankheiten bei. Die Militärjunta reagiert dem Bericht zufolge mit harten Gegenoffensiven, die sich häufig auch gegen Bevölkerungsgruppen richten, denen die Unterstützung der Islamisten vorgeworfen wird. Besonders oft treffe die Aggression das größtenteils nomadisch lebende Hirtenvolk der Fulani. Das Vorgehen gegen sie komme ethnischen Säuberungen gleich.
Die 268 Seiten umfassende HRW-Untersuchung basiert auf rund 450 Interviews, darunter 380 mit Opfern, die die Menschenrechtler von März 2023 bis Februar 2026 geführt haben. Zudem dienten Fotos, Videos, Satellitenbilder und weitere Dokumente als Quellen. Dennoch bleibt die genaue Zahl der Todesopfer unklar, da es keine systematische Erfassung gibt. Laut Daten der Organisation Armed Conflict Location & Event Data (ACLED) wurden seit 2016 mindestens 10.600 Zivilisten in Burkina Faso getötet.