Benediktiner in Jerusalem besorgt über Zukunft der Christen

"Ich sehe keine Stimmung für eine dritte Intifada"

Die Benediktiner der Dormitio-Abtei in Jerusalem befürchten durch die Jerusalem-Entscheidung der USA zunehmende Repressalien gegenüber Christen.

Pater Nikodemus Schnabel / © Stefanie Järkel (dpa)
Pater Nikodemus Schnabel / © Stefanie Järkel ( dpa )

Die Christen in Jerusalem hätten immer mehr das Gefühl, dass sie zwischen den Fronten zermalmt würden und sich niemand für sie interessiere, sagte der Prior der Abtei, Nikodemus Schnabel, dem katholischen Online-Portal "Kirche + Leben". Die Minderheit der Christen im Heiligen Land werde in dem Konflikt zwischen Muslimen und Juden oft übersehen. Die Religion mit der größten Abwanderungsrate seien die Christen. "Ich habe die Sorge, dass Jerusalem ein religiöses Disneyland wird, in dem keine Christen mehr wohnen", erklärte der Prior.

Schnabel wurde bespuckt und angepöbelt

Besorgt äußerte sich der aus Stuttgart stammende Schnabel über national-jüdische Reaktionen in Jerusalem. Er selbst sei in diesen Tagen von nationalreligiösen Juden bespuckt und angepöbelt worden. Einer Freundin sei in einem jüdischen Geschäft vorgehalten worden, wenn sie nicht für die Entscheidung Trumps sei, solle sie den Laden gleich wieder verlassen. Die Mönche in der Dormitio-Abtei beteten täglich für den Frieden. "Wir sind weder pro-israelisch noch pro-palästinensisch, wir sind pro Mensch", unterstrich Schnabel. Die Benediktinerabtei Dormitio liegt zwischen West- und Ost-Jerusalem.

Dass es nach der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump zu einer weiteren Intifada komme, hält der Prior für wenig wahrscheinlich. Die radikal-islamische Hamas ringe ums Überleben. Die Palästinenser insgesamt schienen komplett resigniert zu haben. "Ich sehe keine Stimmung für eine dritte Intifada", sagte Schnabel.

Quelle:
KNA