Belgiens Parlament will Missbrauch weiter aufarbeiten

Offene Fragen zur "Operation Kelch"

Während der Papst in Belgien unterwegs ist, schlägt das dortige Parlament ein neues Kapitel zu Missbrauchs-Ermittlungen in der Kirche auf. Die im Jahr 2010 begonnene "Operation Kelch" bewegt die Öffentlichkeit immer noch.

Belgische Fahne am Parlamentsgebäude in Brüssel / © Alexandros Michailidis (shutterstock)
Belgische Fahne am Parlamentsgebäude in Brüssel / © Alexandros Michailidis ( shutterstock )
Brüssel: Königin Mathilde von Belgien (2.v.l), Papst Franziskus (M) und König Philippe von Belgien (r) während eines päpstlichen Besuchs im königlichen Schloss in Laeken / © Dirk Waem/Belga (dpa)
Brüssel: Königin Mathilde von Belgien (2.v.l), Papst Franziskus (M) und König Philippe von Belgien (r) während eines päpstlichen Besuchs im königlichen Schloss in Laeken / © Dirk Waem/Belga ( dpa )

Bis spätestens Ende Januar kommenden Jahres soll das Gremium klären, ob es im Rahmen der "Operation Kelch" zu Unregelmäßigkeiten, etwa durch Einflussnahmen aus dem In- oder Ausland, gekommen ist.

Dabei könnte im Hintergrund die Frage eine Rolle spielen, ob antikirchliche Kreise die ungewöhnlich scharfen Ermittlungsmaßnahmen beeinflusst haben. In Belgien verfügen die Mitglieder der großen Freimaurerlogen traditionell über erheblichen Einfluss in Politik, Wirtschaft und Justiz.

Die Entscheidung des Parlaments zur Einsetzung der Kommission fiel mit dem ersten Tag des Papst-Besuches in Luxemburg und Belgien zusammen. In Belgien wird Franziskus am Donnerstagabend erwartet. Dort will er auch mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch sprechen.

Am Anfang stand ein Bischofsrücktritt

Die Ermittlungen im Rahmen der "Operation Kelch" begannen mit dem Rücktritt von Roger Vangheluwe als Bischof von Brügge im Jahr 2010.

Zuvor war bekannt geworden, dass er über Jahre einen Neffen sexuell missbraucht hatte. 2011 gestand er den Missbrauch eines weiteren Neffen; 2017 beschuldigte ihn außerdem ein damals 57-jähriger Mann, Anfang der 70er Jahre als Messdiener von ihm missbraucht worden zu sein. 

Erst vor wenigen Monaten entließ Papst Franziskus den heute 87-jährigen ehemaligen Bischof aus dem Klerikerstand. Das ist die höchste kirchenrechtliche Strafe.

Kurz nach Vangheluwes Rücktritt 2010 stürmten staatliche Missbrauchsermittler kirchliche Einrichtungen und beschlagnahmten Akten, Rechner und Handys der in Mechelen versammelten Bischöfe. 

Der damalige Brüsseler Erzbischof Andre Leonard und sein Vorgänger Kardinal Godfried Danneels mussten vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen. Auch das Ansehen von Kardinal Danneels nahm nachhaltig Schaden, als eine Tonbandaufnahme auftauchte, in der Danneels einem Opfer nahelegt, sich mit öffentlichen Anklagen zurückzuhalten.

"Operation Kelch" füllte über 100 Ordner

Der Hohe Justizrat in Belgien hatte Mitte April die Ergebnisse seiner Untersuchungen zur "Operation Kelch" vorgelegt. Demnach ließen sich keine Nachweise dafür finden, dass die katholischen Bischöfe den Ermittlungen im Rahmen der "Operation Kelch" im Wege gestanden hätten. 

Der Bericht ging auch an einen in der vergangenen Legislaturperiode eingesetzten Parlamentsausschuss, der sich allerdings aus Zeitmangel nicht mehr näher mit der "Operation Kelch" und den dazugehörigen über 100 Aktenordnern befassen konnte. Das soll nun nachgeholt werden.

Unterdessen will die belgische Generalstaatsanwaltschaft laut Medienberichten in Kürze einen Antrag auf endgültigen Abschluss der "Operation Kelch" stellen. Alle Fälle seien entweder inzwischen juristisch verjährt oder die betroffenen Personen lebten nicht mehr.

Kirche in Belgien

Belgien hatte in der jüngeren Kirchengeschichte große Bedeutung als Stätte der wissenschaftlichen Theologie und in der Mission. Nach den Missbrauchsskandalen steht zuletzt wie anderswo eher Krisenbewältigung im Zentrum. Vor allem die Universität Löwen (Leuven/Louvain) ist eine europaweit renommierte Stätte der wissenschaftlichen Theologie und speziell der Missionstheologie. Sie verlor allerdings etwas von ihrem Nimbus im flämisch-wallonischen Sprachenstreit der 1960er Jahre und durch die sprachliche und räumliche Trennung in zwei Hochschulen.

Symbolbild Kreuz im Licht / © Kanjana Kawfang (shutterstock)
Symbolbild Kreuz im Licht / © Kanjana Kawfang ( shutterstock )
Quelle:
KNA