Bei den Neuerscheinungen zum Thema Religion dominiert ein Thema

Luther, immer wieder Luther

Der 500. Jahrestag der Reformation 2017 wirft längst seine Schatten voraus. Das gilt auch für die neuen Bücher im Bereich Religion und Spiritualität, die in diesem Herbst auf den Markt kommen.

Die Frankfurter Buchmesse startet  / © Arne Dedert (dpa)
Die Frankfurter Buchmesse startet / © Arne Dedert ( dpa )

Vor Martin Luther gibt es in diesen Tagen kaum ein Entrinnen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts nutzte der ebenso wortgewaltige wie wirkmächtige Theologe aus Wittenberg die gerade erst entwickelte Kunst des Buchdrucks, um seine Lehren zu verbreiten.

Im Herbst 2016, zwölf Monate bevor sich sein legendenumwobener Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal jährt, setzt die Buchbranche auf Martin Luther - um die Reformation und ihre Folgen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten. Die Ergebnisse werden sich auch auf der Frankfurter Buchmesse (19. bis 23. Oktober) besichtigen lassen.

Von Geschichtsbüchern bis hin zu Essays

Das Spektrum reicht von historischen Gesamtdarstellungen wie der des Göttinger evangelischen Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann - "Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation" - bis hin zu Essays und Wiederauflagen, etwa aus der Feder von Michel Clevenot. Die katholische Verlagsgemeinschaft topos plus präsentiert unter dem Titel "Luther, Müntzer, Calvin und Co. Machtpolitik und Glaubenseifer in der Reformation" Auszüge aus der zwölfbändigen Kirchengeschichte des 1993 gestorbenen französischen Theologen.

Natürlich darf "Reformationsbotschafterin" Margot Käßmann in diesem Reigen nicht fehlen. Ihr gemeinsam mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, herausgegebener Gesprächsband "Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat" wird bereits als Standardwerk zur historischen wie aktuellen Bedeutung reformatorischen Denkens beworben.

Lutherbibel kommt am 19. Oktober

Das laut Verlagsangaben "persönlichste Buch" zu dem Thema präsentiert "Spiegel"-Autor Georg Diez, selbst Sohn eines Pfarrers, mit "Martin Luther, mein Vater und ich". Und dann wäre da last but not least die neue Lutherbibel, die am 19. Oktober auf den Markt kommt. Sie wird auf der Buchmesse am Stand der Deutschen Bibelgesellschaft vorgestellt - auf dem "Luther-Forum", wo sonst?

Und wer dann genug Luther zwischen den Buchdeckeln hatte, kann in diesem Herbst natürlich auch noch weitere Werke rund um Kirche, Glaube, Religion finden. Nicht nur, aber auch auf der Buchmesse. Dort wird neben der neuen Lutherbibel auch die bereits erschienene neue katholische Bibel eine Rolle spielen - in einer Veranstaltung mit dem Erfurter Altbischof Joachim Wanke als Leiter des Projekts.

Bücher zu Assisi und Islam

Das Katholische Bibelwerk hat außerdem die "Bibel in Leichter Sprache. Evangelien der Sonn- und Festtage im Lesejahr A" im Angebot. Passend dazu gehen Carel van Schaik und Kai Michel in ihrem "Tagebuch der Menschheit" der Frage nach, "Was die Bibel über unsere Evolution verrät".

Religionsphilosoph Gunnar Decker widmet sich dem "Traum vom einfachen Leben" des Franz von Assisi. Janez Percic und Johannes Herzgsell stellen "Große Denker des Jesuitenordens" vor. Die "Herausforderung Islam" ist Thema einer Neuveröffentlichung des katholischen Theologen Klaus von Stosch. Radikale Islamisten ziehen mit Waffen in den Kampf gegen in ihren Augen Ungläubige - in Europa dagegen gehen immer mehr Menschen zu Religion auf Distanz. Diese gegensätzlichen Entwicklungen nehmen der preisgekrönte tschechische Soziologe und Priester Tomas Halik, der stets "bestsellernde" Benediktinerpater Anselm Grün und Publizist Winfried Nonhoff in ihrem Buch "Gott los werden?" in den Blick.

"Letzte Gespräche" mit dem Papst

Längst in den Bestseller-Listen platziert sind Peter Seewalds "Letzte Gespräche" mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. Für den Geschäftsführer des Katholischen Medienverbandes, Konrad Höß, einerseits ein Beispiel dafür, dass sich auch mit religiösen Themen ein breites Publikum erreichen lässt. Auf der anderen Seite gebe es "eine große Skepsis gegenüber der verfassten Religion und engeren kirchlichen Themen".

Bliebe da noch der ewige "Kirchenrebell" Eugen Drewermann - der Anfang der 1990er Jahre in manchen Kreisen für beinahe lutherhafte Furore sorgte. Im Patmos-Verlag hat der Theologe und Ex-Priester, 2005 aus der katholischen Kirche ausgetreten, den ersten Band seiner Betrachtungen über "Kapital und Christentum" vorgelegt, gut 400 Seiten dick. Ein zweiter Band ist für das Frühjahr angekündigt.

 

 Bodo Kirchhoff, Gewinner des Deutschen Buchpreises 2016 / © Arne Dedert (dpa)
Bodo Kirchhoff, Gewinner des Deutschen Buchpreises 2016 / © Arne Dedert ( dpa )
Autor/in:
Joachim Heinz
Quelle:
KNA