Beginn des Wiederaufbaus im Kloster Tabgha

Geschacher um Schadenersatz

Die Tat schockierte weit über das Heilige Land hinaus: Jüdische Nationalisten zündeten vor gut einem Jahr das Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth an. Der Schock hat sich gelegt, doch viele Probleme bleiben.

Nach Brandanschlag in Tabgha (dpa)
Nach Brandanschlag in Tabgha / ( dpa )

Verkohlte Türen, rauchgeschwärzte Wände, geborstene Bodenplatten. Die Folgen des Brandanschlags jüdischer Extremisten auf das Kloster Tagbha am See Genezareth sind auch ein Jahr später noch zu sehen. Nach vielen bürokratischen Hürden, neuen Baugenehmigungen und Streit um Schadenersatz hat vor wenigen Wochen der Wiederaufbau begonnen.

Ein Teil des zerstörten Atriums hat wieder ein Dach. Die eingestürzte Holzstruktur wurde durch eine Betondecke ersetzt. Denn die rasche Ausbreitung des Brandes in der Nacht des 18. Juni 2015 geschah über die Dachstühle. Dabei hatten die Benediktinermönche Glück, dass das Feuer nur den öffentlichen Eingangsbereich, Klosterpforte, Büro, einen Sitzungsraum und den Souvenirshop zerstörte. Die Kirche über der traditionellen Heiligen Stätte der Brotvermehrung blieb ebenso verschont wie das Kloster der Mönche.

Täter aus rechtsextremistischen jüdischen Kreisen

Die Täter, die an mehreren Stellen die Brände legten, waren rasch in rechtsextremistischen jüdischen Kreisen ausgemacht. Auf einer Wand des Klosters fand sich der hebräische Schriftzug: "Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden". Die Polizei ermittelte fünf mutmaßliche Täter.

Das Kloster und die Mönche erlebten in den folgenden Tagen eine Welle der Solidarität, die bis heute anhält, wie der Jerusalemer Benediktiner-Sprecher Nikodemus Schnabel im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betont. Insbesondere Juden kamen, entschuldigten sich für ihre Glaubensgenossen, bekundeten den Ordensleuten ihre Sympathie. Sie schenkten Ölpflanzen und Blumen. Und von allen Seiten kamen Spenden für den Wiederaufbau: von Rabbinern und jüdischen Organisationen wie von katholischen Diözesen und Institutionen, oft aus Deutschland.

Bemühen um Schadenersatz wird zum Trauerspiel

Aber sie reichen bei weitem nicht aus, um den Schaden zu decken, der sich auf umgerechnet 1,6 Millionen Euro beläuft, wie Pater Matthias Karl aus Tabgha betont. Das Bemühen um Schadenersatz gestaltete sich zu einem Trauerspiel: Die Brandschutzversicherung erklärte sich für nicht zuständig, weil ein Terroranschlag vorlag - für den das Finanzministerium zuständig sei. Dieses wies die Mönche ebenfalls ab: Man erstatte nur bei politischem Terrorismus und Kriegsschäden. Hier aber liege religiös motivierter Terrorismus vor.

Eine Lösung kam schließlich durch Staatspräsident Reuven Rivlin, der im September 2015 zu einer Audienz beim Papst wollte. Wenige Tage vorher erschien er am Anschlagsort. Er habe sich sehr viel Zeit genommen und spontan zugesagt, sich für Tabgha einzusetzen, so Pater Matthias. Wenige Tage später sprach das Finanzministerium von einer "neuen Faktenlage", und sicherte eine Sofortzahlung von etwa 400.000 Euro zu. Als diese zum Jahrestag des Brandes im Juni 2016 noch nicht überwiesen waren, planten die Mönche den Schritt an die Öffentlichkeit.

Löwenanteil durch Spenden

Dann kam das Geld doch - und die Arbeiten konnten beginnen. Die Schäden sollen bis Anfang 2017 komplett beseitigt sein. Man plane keine "Gedenkstätte", versichert Pater Matthias, und erwarte noch eine zweite Tranche vom Finanzministerium, das insgesamt ein Viertel bis ein Drittel des Schadens übernehmen dürfte. Der Löwenanteil muss also durch Spenden hereinkommen.

Von den Tätern ist keine Wiedergutmachung zu erwarten. Im Gegenteil gab es von ihrer Seite auch nach dem Anschlag in den Medien und bei Veranstaltungen Attacken gegen die Kirche und die Mönche. Und bei der Gerichtsverhandlung gegen einen der mutmaßlichen Täter - ein zweiter saß im Zuschauerraum - richtete dessen Anwalt üble Attacken gegen die Benediktiner, so dass er vom Richter zur Ordnung gerufen wurde.

Die Mönche von Tabgha haben den Schock über den Anschlag verkraftet, auch dank der breiten Solidarität. Sie setzen ihren Dienst dort fort, empfangen Pilger und Besucher. Und sie führen ihre Begegnungsstätte und das Sozialprojekt für Menschen mit Behinderung fort, zu dem sich in diesen Tagen 80 Juden, Christen, Muslime auf dem Klostergelände aufhalten. Die biblische Botschaft von Tabgha lautet "teilen". Und an diesem Dienst wolle man festhalten. Eine praktische Konsequenz haben die Mönche freilich gezogen: Sie leisten sich seither einen Nachtwächter. "Praktisch unser teuerster Mitarbeiter", meint Pater Matthias, "aber eine notwendige Sicherheitsmaßnahme".

Aufräumarbeiten in Tabgha (Dormitio)
Aufräumarbeiten in Tabgha / ( Dormitio )
Pater Nikodemus Schnabel (KNA)
Pater Nikodemus Schnabel / ( KNA )
Autor/in:
Johannes Schidelko
Quelle:
KNA