BDKJ-Vorsitzender zieht gemischte Bilanz des Synodentreffens

"Jugendthemen waren unterrepräsentiert"

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend zieht eine gemischte Bilanz zum Abschluss der Familiensynode. Ihr Vorsitzender, Wolfgang Ehrenlechner, sprach im domradio.de-Interview von einer Unterrepräsentanz von Jugendthemen.

Jüngster Zuhörer bei Synode / © Ettore Ferrari (dpa)
Jüngster Zuhörer bei Synode / © Ettore Ferrari ( dpa )

domradio.de: Die Jugend gehört auch zu den Themen Ehe und Familie. Wie haben Sie die letzten drei Wochen in Rom erlebt?

Wolfgang Ehrenlechner (Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend [BDKJ]): Wir haben sehr genau beobachtet, was dort passiert ist. Wir waren von Beginn an etwas skeptisch. Es wurden ja auch externe Berater, Laien, zu der Familiensynode hinzugezogen. Das waren allerdings vorwiegend ältere Ehepaare und ältere Menschen.

domradio.de: Das heißt, die Jugend kam zu kurz?

Wolfgang Ehrenlechner: Die Jugend hatte dort keine direkte Stimme. Das hat sich aus unserer Perspektive auch in den Ergebnissen niedergeschlagen. Die Themen, die den Jugendlichen auf den Nägeln brennen, die sind doch deutlich in dem Abschlusspapier unterrepräsentiert.

domradio.de: Was fehlt Ihnen denn konkret?

Wolfgang Ehrenlechner: Junge Menschen beschäftigt  nun einmal die Sexualmoral in der katholischen Kirche, mit der sie an vielen Stellen eben nicht einverstanden sind. Da geht es eben auch darum, dass man das Verhütungsverbot fast verantwortungslos findet und Homosexuelle aus der Perspektive junger Menschen von der Kirche diskriminiert werden. Diese Themen sind in dem Abschlussdokument ganz stark unterrepräsentiert. Dazu gab es keine wirkliche Weiterentwicklung.

domradio.de: Was wünschen Sie sich, wie es weitergeht? Haben Sie noch die Möglichkeit, unter Umständen Papst Franziskus etwas mit auf den Weg zu geben, denn er setzt das nachsynodale Schreiben auf?

Wolfgang Ehrenlechner: Das ist auch unsere große Hoffnung, dass das, was die Synode nicht geschafft hat, der Papst vielleicht noch richten kann. Aber auch die deutsche Delegation, die bei der Synode anwesend war, hat ja noch einmal deutlich gemacht, dass der Schlusspunkt nicht erreicht ist, sondern dass es in der Diskussion weitergehen muss. Die deutschen Bischöfe vor Ort haben festgestellt, dass die von mir genannten Themen vernachlässigt wurden.

domradio.de: Wie würden Sie das Abschlussdokument insgesamt charakterisieren?

Wolfgang Ehrenlechner: Ich muss gestehen, dass ich es noch nicht vollständig gelesen habe. Von den Zusammenfassungen her, die man bisher bekommen hat, ist es ein Arbeitspapier, an dem man weiter arbeiten muss.

domradio.de: Der Weg muss auch über das Schreiben von Papst Franziskus hinaus weiter bestritten werden?

Wolfgang Ehrenlechner: Genau. Wir müssen in ständiger Diskussion und ständigem Dialog bleiben, um die Weiterentwicklung unserer Kirche voran zu treiben.

domradio.de: Es war ja eine Art weltkirchlicher Kompromiss. Es gab schließlich ganz unterschiedliche Positionen. Um einmal die extremen zu nennen: Westeuropa auf der einen, Afrika auf der anderen Seite. Gefällt es Ihnen, dass man da einen Kompromiss geschlossen hat und versucht hat, einen gemeinsamen Weg für alle zu finden?

Wolfgang Ehrenlechner: Ich glaube, dass es an der Stelle nur schwer möglich ist, für alle Kompromisse zu finden. Die kulturellen Unterschiede sind schon recht groß. Deshalb sprechen wir uns vom BDKJ auch für eine größere Vielfalt in der Kirche aus. Diese Vielfalt sollte zugelassen und ernst genommen werden. Man sollte gleichfalls den Weg einer Dezentralisierung einschlagen, wie sie auch Papst Franziskus beschrieben hat.

Das Interview führte Matthias Friebe

Quelle:
DR