Bayerns Ministerpräsident besucht Wallfahrtsort Maria Vesperbild

Söders offensive Christlichkeit

Bayerns Ministerpräsident besucht den Wallfahrtsort Maria Vesperbild. Seine politischen Gegner wittern Blasphemie. Es ist nicht das erste Mal, dass Markus Söder in Sachen Glaube polarisiert.

Söders offensive Christlichkeit führt zu Ärger im Wallfahrtsort / © Lino Mirgeler (dpa)
Söders offensive Christlichkeit führt zu Ärger im Wallfahrtsort / © Lino Mirgeler ( dpa )

Eigentlich geht von Maria Vesperbild große Lieblichkeit aus: So viel bunter Blumenschmuck betört die Besucher dort, so sanft blicken einen da die Muttergottesstatuen an. Auf einmal aber geht's rund um den mittelschwäbischen Wallfahrtsort bei Ziemetshausen alles andere als zart zu. Grund ist der geplante Besuch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Laut Wallfahrtsdirektion hält er an diesem Mittwoch morgens auf der Fahrt zu seiner Kabinettssitzung in Ursberg im Landkreis Günzburg in Vesperbild. An der Bewertung dieser Stippvisite scheiden sich nun die Geister.

"Blasphemischen Zügen"

Der SPD-Kreisverband Günzburg fährt schweres Geschütz auf und spricht von "blasphemischen Zügen". In einer aktuellen Erklärung heißt es: "Halbwegs glaubwürdig wäre es noch gewesen, wenn Söder ohne Presse-Trara und Propagandabegleitung Maria Vesperbild besucht hätte. Aber so ist es nur der Beweis, dass ihm nichts heilig ist, wenn es um den Wahlkampf geht." Söder habe schon mit seiner "Kruzifix-Aktion" bewiesen, "dass er keinerlei Hemmung hat, christliche Symbole als Wahlkampfgag zu missbrauchen".

Man frage sich, was als Nächstes komme: "Badet Söder im Weihwasserkessel um Obelix-ähnlich unverwundbar zu werden oder spricht ihn ein CSU-höriger Pfarrer schon mal präventiv selig?"

Wallfahrtsdirektor Reichart: Dankbar für Politiker, die sich zum Glauben bekennen

Ganz anderer Meinung ist Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart. Die SPD-Vorwürfe nennt er in einem offenen Brief "verletzend und herablassend". Denn: "Der bayerische Ministerpräsident kommt nicht als Vertreter einer Partei nach Maria Vesperbild, sondern als oberster Repräsentant des bayerischen Staates." Man sei dankbar für jeden Politiker, der sich zum christlichen Glauben offen bekenne.

Reichart schreibt weiter, er meine es nicht spöttisch, wenn er den Sozialdemokraten rate, "auch für die SPD die Hilfe von oben in Anspruch zu nehmen. Die Mutter Gottes hat hier schon so viele Wunder gewirkt, dass sie es ohne weiteres möglich machen kann, die SPD zu neuer Blüte zu führen."

Knospen der Hoffnung

Zumindest sprießen inzwischen Knospen der Hoffnung - auf ein Ende des Streits zwischen Wallfahrtsdirektor und SPD: Auf Einladung Reicharts wird es ein Gespräch zwischen beiden Seiten geben.

Vielleicht betet derweil ja auch der Zankapfel selbst dafür, dass dieses Treffen gütlich ausgehen möge. Markus Söderjedenfalls hat in der Vergangenheit keinen Hehl aus seiner christlichen Praxis gemacht. So sagte er kurz vor Weihnachten 2017 der "Bunten": Es könne "auch mal passieren, dass ich bei meinen Fahrten durch Bayern irgendwo eine kleine Kirche sehe, den Fahrer anhalten lasse und kurz reingehe".

Söder versteckt seinen Glauben nicht

Söder, einst Mitglied der evangelischen Landessynode in Bayern, ist zudem in gewisser Weise ein durchaus erfolgreicher Missionar: Er hat es schon öfter geschafft, Menschen zu "Protestanten" zu machen. Gerade im religiösen Kontext hat sich viel Widerstand gegen ihn formiert, zum Beispiel nach seinem Kreuzerlass für öffentliche Gebäude in Bayern. Selbst Kirchenvertreter hatten diesen abgelehnt, weil er das Kreuz auf ein Heimatsymbol reduziere. Söderaber sah darin laut Kabinettsbeschluss ein "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland".

So viel steht fest: Söder versteckt seinen Glauben nicht. Zu seinen ersten Amtshandlungen als neuer Chef in der Staatskanzlei gehörte das Aufpflanzen eines Kreuzes auf seinem Schreibtisch. In die Münchner Fronleichnamsprozession reihte er sich ein, wenn auch nach Einschätzung örtlicher Kirchenkreise eine Spur zu demonstrativ.

Christsein als Mittel zum Zweck

Dazu kommen immer wieder Interviews: So sagte der Politiker erst im Juni der "Augsburger Allgemeinen", zu beten gebe ihm Kraft und Halt. Dieses Vertrauen solle man auch wieder stärker vermitteln. "Ich würde mir wünschen, dass unsere Kirchen genau das tun. Das Wort heißt Frohe Botschaft, aber schauen Sie sich die Gesichter an, mit denen das meistens vorgetragen wird."

Gern also verbindet Söder mit dem Glauben auch die Attacke. Kritiker meinen daher, er benutze das Christsein zur Stärkung nach innen und zur Abgrenzung von Andersdenkenden. Er zündele. Etwas entfachen wird der Ministerpräsident allemal in Maria Vesperbild - ein Kerzenfeuer "zu Ehren der Muttergottes", wie die Wallfahrtsdirektion ankündigte.

Autor/in:
Christopher Beschnitt
Quelle:
KNA