Bangladesch wählt

 (DR)

Mehr als 600.000 Polizisten und Soldaten setzt Bangladesch zur Verhinderung von Gewalt bei der Parlamentswahl an diesem Sonntag (30. Dezember) ein. Zudem seien Küstenwache, Grenzschutz und Einheiten von Hilfspolizisten in Alarmbereitschaft, berichten dortige Medien (Samstag). Telefon- und Internetprovider hätten bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntagabend das mobile High-Speed-Internet abgeschaltet. Der Wahlkampf war von massiver Gewalt und Unterdrückung der Opposition geprägt. Sprecher der katholischen Kirche beklagten gegenüber örtlichen Medien, "Gewalt und Tod" hätten die Menschen in "Panik" und "Angst" versetzt. Mehr als 100 Millionen Bürger sind aufgerufen, die neue Zusammensetzung des 300 Sitze umfassenden Parlaments zu bestimmen. Premierministerin Sheikh Hasina (71) von der Awami-Liga strebt ihre dritte Amtszeit in Folge an. Im Wahlkampf versprach sie eine Steigerung des Wirtschaftswachstums von jetzt 7,8 auf 9 Prozent. Jüngste Meinungsumfragen sagen ihr einen Sieg voraus.

Bei der umstrittenen Parlamentswahl 2014 war Sheikh Hasina mangels politischer Gegner im Amt bestätigt worden. Die oppositionelle "Volkspartei von Bangladesch" (BNP) hatte den Urnengang aus Protest gegen autoritären Regierungsstil und Unterdrückung der Opposition boykottiert. Diesmal tritt die BNP an, obwohl Parteichefin Khaleda Zia (73) wegen angeblicher Korruption im Gefängnis sitzt. Seit September haben die Behörden mehr als 300.000 Lokalpolitiker und Mitglieder der BNP mit Klagen überzogen, die die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch als "falsch und fingiert" bezeichnete. Die beiden Begums (Fürstinnen) Sheikh Hasina und Khaleda Zia sind seit Jahrzehnten erbitterte politische Gegnerinnen; seit 1991 wechseln sie sich auf dem Posten des Premierministers ab. Beide entstammen einflussreichen politischen Dynastien.

90 Prozent der 163 Millionen Einwohner der Volksrepublik Bangladesch sind Muslime; der Islam ist Staatsreligion. Mit 0,4 Prozent Bevölkerungsanteil sind Christen nur eine kleine Minderheit. Im Dezember 2017 besuchte Papst Franziskus Bangladesch. (KNA/30.12.18)