Weitere Debatten um geplante Firmung durch Kardinal Woelki

Aussprache im Vorfeld

Die Debatte um eine geplante Firmung durch Kardinal Rainer Maria Woelki in der Düsseldorfer Gemeinde St. Margareta hält an. Im Vorfeld der Firmung soll eine Aussprache stattfinden.

Kardinal Woelki bei einer Firmung / © Beatrice Tomasetti (DR)
Kardinal Woelki bei einer Firmung / © Beatrice Tomasetti ( DR )

In einem offenen Brief hatten Gemeindevertreter Woelki "eindringlich" gebeten, den Termin Anfang Juni an einen Vertreter zu übertragen. Zu den 140 Unterzeichnern des Briefs, über den zuerst die "Rheinische Post" (Sonntag) berichtete, gehört die frühere Düsseldorfer Bürgermeisterin und FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. In einer aktuellen Stellungnahme der Gemeinde heißt es, ein Gespräch am kommenden Donnerstag solle "eine Aussprache im Vorfeld" der Firmung ermöglichen. Das Erzbistum Köln äußert sich bislang nicht zu dem Vorgang.

Das Sakrament der Firmung könne nur jemand vollziehen, "der als Christ in seinem Amt und in seinem Handeln glaubwürdig ist. Sie sind das leider für uns nicht mehr", schreiben die Unterzeichner. Die Firmfeier dürfe nicht instrumentalisiert werden, um "den verlorenen Kontakt zur Basis" zu suchen - und umgekehrt auch nicht für Protestaktionen. In dem Brief heißt es weiter, Gemeindeleitung und -mitglieder hätten den Kardinal bereits früher gebeten, von der Firmung abzusehen. "Sie halten trotzdem an Ihrer Absicht fest. Wir fühlen uns dadurch ein weiteres Mal missachtet."

Vetrauen verloren

Die Unterzeichner werfen Woelki vor, sich im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung auf "rein juristisch verwertbare Tatbestände" zu fixieren. Dies reiche nicht aus, schreiben sie weiter: "Wir brauchen auch eine systemische, moralische und theologische Aufarbeitung. Die Konsequenzen daraus müssen umgesetzt werden." Man könne nicht erkennen, dass Woelki diese Verantwortung wahrnehme. Viele Engagierte dächten "sehr ernsthaft" über einen Kirchenaustritt nach: "Wir haben das Vertrauen verloren, dass mit Ihnen als Erzbischof ein Neuanfang gelingen kann."

Hintergrund des ungewöhnlichen Vorgangs ist die öffentliche Aufarbeitung früherer Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche, um die im Erzbistum Köln seit Monaten gerungen wird. Dabei geht es auch darum, Verantwortliche zu benennen, die Täter geschützt und Verbrechen vertuscht haben. Ein erstes Aufarbeitungs-Gutachten hatte Woelki nicht veröffentlichen lassen, weil er es für fehlerhaft und nicht rechtssicher hält. In einem im März veröffentlichten Gutachten weisen Juristen um den Strafrechtler Björn Gercke hohen Amtsträgern im Erzbistum Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen nach. Woelki selbst wird durch den Gercke-Report entlastet.

Zwei mutmaßliche Täter

In der betroffenen Gemeinde in Düsseldorf-Gerresheim waren zwei der Priester tätig, gegen die zuletzt Vorwürfe laut geworden waren. Pfarrer D., den Woelki 2017 trotz des Vorwurfs sexueller Übergriffe zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten ernannte und kürzlich beurlaubte, war dort früher Kaplan. Dem inzwischen verstorbenen Pfarrer O. wird eine schwere Missbrauchstat an einem Kind vorgeworfen. Woelki wurde dafür kritisiert, dass er den Fall nach seinem Amtsantritt 2015 zwar zur Kenntnis genommen, aber eine kirchenrechtliche Voruntersuchung und eine Meldung nach Rom unterlassen habe. Der Kardinal begründete dieses Vorgehen mit der damals weit fortgeschrittenen Demenz des ehemaligen Pfarrers, die eine Befragung unmöglich machte.

 

Quelle:
KNA
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