Auslandsbischof zum Auftakt seiner Asienreise zur Lage der Kirche in China

"Wichtig, aber schwierig"

Tokio, Hongkong, Singapur, Istanbul – noch bis zum 25. Mai ist der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für die Auslandsseelsorge in Asien unterwegs. Zum Auftakt feierte der Kölner Weihbischof Heiner Koch einen Gottesdienst in Peking. Im Interview mit domradio.de beschreibt er die Situation der katholischen Kirche in China zwischen Angst und Achtung.

Weihbischof Heiner Koch (KNA)
Weihbischof Heiner Koch / ( KNA )
domradio.de: Sie haben in der deutschen Gemeinde in Peking einen Gottesdienst gehalten... Koch: ...ein außergewöhnlicher Gottesdienst! Weil zum ersten Mal ein ausländischer Bischof in einer katholischen Kirche in Peking zelebrieren durfte. Der Staat hatte die Genehmigung gegeben. Sonst trifft sich die deutsche Gemeinde immer in der deutschen Botschaft. Aber wir haben heute Morgen (Sonntag, 15.05.2011) Firmung, Visitation und Gemeindejubiläum gehabt. Die Kirche war voller Deutscher, Österreicher und Schweizer.  Pfarrer Bauer aus dem Erzbistum Köln ist ja hier und in Shanghai Pfarrer, der deutsche und der österreichische Botschafter waren da. Sogar der deutsche Botschafter in Nordkorea ist extra eingeflogen - um ein Zeichen der Verbundenheit mit Flüchtlingen, die in China sind, zu geben. Es war ein wunderbarer Gottesdienst. Man hat gemerkt, wie froh die Deutschen in China sind, dass es diese Gemeinde gibt. Ich habe nachher auch mit Chinesen gesprochen, die froh sind, dass es die katholisch-deutsche Gemeinde gibt, weil die katholische Kirche in China so wichtig ist. Und vor allen Dingen in Peking. Das wichtige Zeichen dieses Gottesdienstes für diese Gemeinde war: Wir sind eine internationale Größe und weit mehr als nur die Katholiken in Peking. domradio.de: Wo geht es jetzt hin? Koch: Jetzt geht es weiter nach Shanghai, dann fliege ich für drei Tage weiter nach Tokio, dann Hongkong, Singapur und Istanbul, dort besuche ich die deutschen Gemeinden: die Priester, die Bischöfe - und auch die Botschafter. domradio.de: Sind Sie als Bischof erkennbar? Koch: Ja - und die Menschen erkennen das auch und sprechen mich an. Das ist ganz interessant. Als Ausländer kann man sich hier gut als Christ zu erkennen geben. Die Menschen empfangen mich hier insgesamt mit einer enormen Gastfreundschaft und einer großen Herzlichkeit. Ich erlebe eine hoch engagierte deutsche Gemeinde mit vielen Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik, die hier zusammenkommt. Außerdem begegne ich etwas ängstlichen Chinesen. Man merkt, dass die katholische Kirche hier in einer schwierigen Lage ist. manchmal auch unterdrückt wird. Der Staat beobachtet sehr viel. Es ist für die Kirche hier in China nicht einfach. Aber, wie der nordkoreanische Botschafter mir heute sagte: Das sind paradiesische Zustände gegenüber der Situation in Nordkorea. Das Gespräch führte Dagmar Peters.
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