Sportethiker: Maradona als Heiliger verehrt

Ausdruck einer "säkularisierten Heiligenverehrung"

Der Tübinger Ethiker Dietmar Mieth sieht in den Reaktionen auf den Tod von Diego Armando Maradona den Ausdruck einer "säkularisierten Heiligenverehrung". Es gehe um die "Augenblicke des Unerklärbaren in Maradonas Fußballkunst". 

Diego Maradona ist gestorben / © Cristobal Escobar (dpa)
Diego Maradona ist gestorben / © Cristobal Escobar ( dpa )

Weltweit betrauert werde der Mann, der "durch die Abwehr ging wie ein Messer durch die Butter", so Mieth; Maradona stehe für eine "Aneinanderreihung säkularer Wunder".

Wenn der Leichnam Maradonas nun im argentinischen Präsidentenpalast aufgebahrt werden solle und Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris spontan die Umbenennung des Stadions San Paolo ankündige, dann bestätige dies letztlich nur die These des Sozialwissenschaftlers Hans Joas, wonach die Welt nicht durchweg säkularisiert und die Macht des Heiligen nicht verabschiedet ist. Die Reaktionen sprächen für eine "nicht rationalisierte Verehrung" des Fußballers.

Reaktionen auf Maradonas Tod durch Katholizismus erklärbar

Mieth hält die Reaktionen auf den Tod Maradonas in Argentinien und Neapel auch durch den Katholizismus für erklärbar: "Maradona hat ideal in die religiöse Wunderwelt von Neapel und deren Ritualisierung gepasst." Vielleicht seien die Deutschen trotz eines Fritz-Walter-Stadions zu säkular, um diese Phänomene zu begreifen.

Die Bezeichnung des früheren argentinischen Fußballstars als "Gott" zeige, dass der Gottesbegriff "aufteilbar" geworden sei - ebenso wie das Wort "Ikone", das früher nur für orthodoxe Heiligendarstellungen, heute aber viel breiter genutzt werde.

Quelle:
KNA