Augsburger Puppenkiste bringt die Weihnachtsgeschichte ins Kino

Bruchlandung in Bethlehem

Seit zwei Jahren steht in der Augsburger Puppenkiste die Weihnachtsgeschichte auf dem Programm. Nun kommt die Erzählung von Jesu Geburt auch in die Kinos - eine kindgerechte Alternative zu Kitsch in der Adventszeit.

Augsburger Puppenkiste verfilmt Weihnachtsgeschichte / © Stefan Puchner  (dpa)
Augsburger Puppenkiste verfilmt Weihnachtsgeschichte / © Stefan Puchner ( dpa )

Noel, der Esel, ist aufgebracht. Seine Herrin Maria kann ihr Kind doch nicht in einer "Bruchbude" und auf einem Ballen Stroh zur Welt bringen! Aber der gemütlich brummende Ochse und die elegante muslimische Kameldame wissen auch keinen Rat. Da wird Jesus eben im Stall von Bethlehem geboren. So munter, wie der Heiland quiekt, hat es ihm nicht geschadet. Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenland sind zur Stelle, Noel hat sich wieder beruhigt und singt mit seinem tierischen Chor besinnlich "Stille Nacht, heilige Nacht".

Seit zwei Jahren zeigt die Augsburger Puppenkiste eine ebenso amüsante wie hintersinnige Fassung der Weihnachtsgeschichte und begeistert damit ihr Publikum. Nun ist eine Kinoadaption der Erzählung des Evangelisten Lukas entstanden - sie wird an den vier Adventssonntagen in mehr als 300 Lichtspielhäusern in Deutschland und Österreich gezeigt. Der Aufwand hielt sich in Grenzen: kleine Filmproduktionsfirma, schmales Budget. Zu den Geldgebern gehören auch einige katholische Bistümer, darunter das Erzbistum Köln. Parallel entstand ein Hörbuch, gesprochen von der Schauspielerin Martina Gedeck.

Theaterinszenierung fürs Kino abgefilmt

Bei dem einstündigen Film handelt es sich um eine "Theaterinszenierung, die fürs Kino abgefilmt wurde", wie Regisseur und Puppenkisten-Chef Klaus Marschall erzählt. Liveübertragungen, wie sie etwa bei Opern üblich sind, "können wir uns nicht leisten". Das Stück wurde mehrmals hintereinander vor Publikum gespielt, in den Pausen sieht man in gespannte Kindergesichter im Zuschauerraum. "Kino ist dem Theater gar nicht so unähnlich", sagt Marschall: abgedunkelter Raum, Gemeinschaftserlebnis, Fokussierung auf die Bühne beziehungsweise Leinwand. Das Experiment funktioniert.

Urmel, Alfons, Lummerland: Für die Augsburger Marionettenbühne ist Jesu Geburt in Bethlehem ein vielleicht nicht ganz naheliegender Stoff. Theaterchef Marschall kam vor Jahren durch ein Konzert der Klezmer-Musikerin Susanne Ortner auf die Idee: "Wir könnten die Weihnachtsgeschichte dorthin verlegen, wo sie herkommt, in die Wüste. Und mit jüdischer Musik untermalen." Ortner fand eine schöne klangliche Mischung, Judith Gardner schrieb ein wunderbar heiteres und tiefgründiges Drehbuch. 2014 war Premiere auf der Puppenkisten-Bühne.

23 neue Holzpuppen

Für das Stück wurden eigens 23 neue Holzpuppen angefertigt. Auch wenn Maria ein wenig aussieht wie Rotkäppchen aus dem Märchen, mit dem bösen Wolf hat der lustige Esel Noel kaum Ähnlichkeit. Der plüschige Graurock lenkt mit fröhlich wiederkehrendem "i-a" durch die Geschichte, die das frisch vermählte Paar Josef und Maria von Nazareth nach Bethlehem führt. Kaum haben sie ein Häuschen gebaut und geheiratet, müssen sie zur Volkszählung nach Judäa und auf dem Weg dorthin einem Sandsturm widerstehen - von der nächtlichen Geburt im Stall einmal ganz abgesehen.

Weihnachten ist eine "ernste, aber keine traurige Geschichte", sagt Marschall. Deshalb kommt der Humor auf der Bühne und im Film nicht zu kurz - ganz im Sinne des Puppenkisten-Mottos, die Großen immer etwas kleiner zu machen. Der Erzengel Gabriel etwa hat notorische Probleme bei seinen Anflugmanövern und legt eine Bruchlandung nach der anderen hin: "Da kracht's und staubt's", freut sich der Theaterchef. Und der römische Zenturio, der Maria und Josef drangsaliert, muss den Rückweg zu Fuß antreten, weil sein Pferd abgehauen ist.

Nicht das erste Mal ist Religion Thema

Das Thema Religion kam schon in vielen Produktionen der Augsburger Puppenkiste vor. Allerdings lag Theatergründer Walter Oehmichen viel daran, "nicht den erhobenen Zeigefinger zu zeigen", erzählt sein Enkel Marschall. Der erinnert sich noch gut daran, wie der Opa daheim im Schein der Christbaumkerzen stets die Weihnachtsgeschichte nach Lukas vorlas. Marschall, evangelisch wie die ganze Familie, ist nach eigenem Bekunden ein gläubiger Mensch. Er wollte im Weihnachtsfilm unbedingt das anrührende "Gloria in excelsis deo" erklingen lassen. Der Wunsch geht in Erfüllung.

 

Autor/in:
Bernd Buchner
Quelle:
KNA
Mehr zum Thema