Adveniat sieht Europäer mitverantwortlich für Brände in Amazonien

Aufruf zu "persönlicher Verhaltensänderung"

​Ein Jahr nach der Amazonassynode im Vatikan ruft das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zu mehr Umweltbewusstsein auf. Hintergrund sind die verheerenden Feuer im Regenwald. An dem Ausmaß trügen auch die Europäer eine Mitschuld.

Verbrannter Regenwald / © Brester Irina (shutterstock)

"Auch wir Europäer tragen dafür Verantwortung, dass sich die Zahl der Brände im Amazonasgebiet nach den Rekordwerten 2019 nochmals erhöht hat", betonte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Michael Heinz am Dienstag in Essen.

Heinz: Indigene müssen zu unseren Vorbildern werden

Er zitiert aus einer Studie, wonach ein Fünftel der Soja- und Rindfleischimporte der EU aus Brasilien im Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und der Cerrado-Savanne stehen. "Die persönliche Verhaltensänderung ist genauso wichtig wie der politische Wandel", so Heinz, der als Berater an der Synode vom 6. bis zum 27. Oktober 2019 teilgenommen hatte.

Vertreter der indigenen Völker und Partner des Hilfswerks vor Ort setzten darauf, dass Deutschland eine internationale Bestimmung zum Schutz der indigenen Völker ratifiziere. Denn so steige der Druck auf die lateinamerikanischen Staaten, die Bestimmungen auch einzuhalten, erklärte Heinz. "Die Indigenen müssen mit ihrem Verhältnis zur Natur und ihrem Umgang mit der Schöpfung zu unseren Vorbildern werden."

Bischof Bahlmann mahnt zur ökologischen Umkehr

Adveniat-Partner Bischof Johannes Bahlmann von Obidos betonte mit Blick auf die Synode: "Wir setzen hier einen Kontrapunkt zu einer Politik der Ausbeutung von Mensch und Natur." Auf der Synode sei der Ruf zur ökologischen Umkehr der wichtigste Punkt gewesen. Die Bischöfe hätten sich mit Papst Franziskus verständigt, beim Umwelt- und Klimaschutz neue Wege gehen zu wollen.

"Um diese Bewusstseinsveränderung voranzubringen, aber auch konkrete Wiederaufforstungsinitiativen zu starten, dafür haben wir als katholische Kirche beste Voraussetzungen, weil wir bis in die entlegensten Gemeinden präsent sind", betonte der Bischof, der ebenfalls an der Synode teilgenommen hatte.

"Wir sind als Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und aus insgesamt neun verschiedenen Ländern zu einer neuen Einheit zusammengewachsen", beschreibt Bahlmann das Miteinander auf der Synode. Die christliche Botschaft müsse sich den indigenen Kulturen öffnen und in sie "hineinübersetzt" werden.

Pater Michael Heinz / © Henning Schoon (dpa)
Pater Michael Heinz / © Henning Schoon ( dpa )
Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof von Obidos (Brasilien) / © Harald Oppitz (KNA)
Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof von Obidos (Brasilien) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA
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