Zisterzienser-Abt sieht die säkulare Gesellschaft als Chance

"Auf das Wesentliche konzentrieren"

Die säkularisierten Gesellschaften Europas bieten aus Sicht des Generalabtes der Zisterzienserordens, Mauro Lepori, einen Vorteil für christliche Verkündigung. Die Kirche müsse sich demnach auf die "elementare Dimension" ausrichten.

In Gemeinschaft den Glauben weitertragen (dpa)
In Gemeinschaft den Glauben weitertragen / ( dpa )

Anders als in den antiken heidnischen, aber religiösen Gesellschaften, behielten Menschen heute ihre "natürliche Religiosität, die jedem Menschen innewohnt", so Lepori im Interview mit dem Schweizer Portal kath.ch (Freitag). Menschen von heute müssten dem Leben einen Sinn geben, fragen, was nach dem Tod geschieht und wollten geliebt werden.

"Gemeinschaften aufbauen, die auf Christus gegründet sind"

"Dies fordert uns Christen auf, uns in unserer Verkündigung auf das Wesentliche zu konzentrieren", so der Abt, "das heißt auf Christus, Gott, der Mensch geworden ist, der alle Menschen liebt und das ewige Leben schenkt."

Zugleich müsse sich die Kirche auf ihre "elementare Dimension" konzentrieren: "Gemeinschaften aufzubauen, die auf Christus gegründet sind", so Lepori. Das bedeute "aus Jesu Gegenwart zu leben und seinen Blick zu verkörpern, indem sie jedem einzelnen Menschen seine Liebe offenbart."

Kirche des Nordens und Westens muss noch viel lernen

In der Hinsicht muss die Kirche des Nordens und Westens nach Aussage des Ordensmanns noch viel lernen. Kirchliche Gemeinschaften in Afrika, Asien und Südamerika seien von einem Glauben geprägt, "der in mancher Hinsicht einfacher und geradliniger ist als der des Westens". Dort lege man viel mehr Wert auf Beziehungen, Zusammensein, Zusammenarbeit und Begegnung mit dem anderen.

All dies öffne erst den Weg zur Begegnung mit Christus. "Der Westen, so Abt Lepori, "hat diese wesentliche Dimension des menschlichen Wesens fast völlig verloren und scheint nicht zu merken, dass er sich danach sehnt."


Quelle:
KNA