Bistum Osnabrück zieht Zwischenbilanz zu Missbrauch-Schutzkonzept

Auch Opfer arbeiten mit

Das Bistum Osnabrück hat eine erste, positive Bilanz seines vor einem Jahr vorgestellten Konzepts gegen sexualisierte Gewalt gezogen. Danach arbeiten mehr als 50 Personen in den fünf Arbeitsgruppen im Schutzprozess mit.

Bischof Franz-Josef Bode mit Blick auf eine Kirche / © Lars Berg (KNA)
Bischof Franz-Josef Bode mit Blick auf eine Kirche / © Lars Berg ( KNA )

Darunter sind Externe, ehrenamtliche und feste Mitarbeiter des Bistums sowie auch Missbrauchsopfer, wie Bischof Franz-Josef Bode am Mittwoch in Osnabrück erläuterte. Gerade die Einbindung externer Experten etwa aus dem Bereich Recht sei "von höchster Bedeutung" für die Zukunftsfähigkeit und Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit.

Das Bistum hatte im Februar 2019 sein Konzept vorgestellt. Es umfasst die fünf Handlungsfelder Prävention, Intervention, Verantwortung für Betroffene, Sanktionierung von Tätern sowie die Klärung kircheninterner systemischer Grundsatzfragen. Alle Bereiche werden von einer sogenannten Monitoring-Gruppe gesteuert.

Erarbeitung von Handlungsanweisungen

Als eines der wichtigsten Ergebnisse stellte der Präsident des Landgerichts Osnabrück, Thomas Veen, die Erarbeitung von Handlungsanweisungen zum Umgang mit konkreten Fällen sexuellen Missbrauchs vor. Sie sollten sicherstellen, dass Betroffenen geholfen und Vertuschung verhindert werde, sowie dass Täter strafrechtlich verfolgt und innerkirchlich sanktioniert werden könnten. Dazu gehöre, auch bei Therapeuten und Seelsorgern aufgelaufene Fälle bei den Missbrauchsbeauftragten zusammenzuführen. Auch sollten Betroffene bewegt werden, ihren Fall an staatliche Verfolgungsbehörden zu melden. Am Ende eines jeden Verfahrens stehe das persönliche Gespräch mit dem Bischof.

Konkrete Anweisungen der Hilfe sollen darüber hinaus für Gemeinden und Institutionen entwickelt werden, in denen Verdachtsfälle auftauchen, wie der frühere hessische Kultusstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann erläuterte. Erarbeitet würden zudem Empfehlungen an das Bistum für den Umgang mit und die Sanktionierung von Tätern.

Die Arbeitsgruppe Systemische Grundsatzfragen plant nach Worten der früheren ZDF-Kirchenexpertin Michaela Pilters Fachtagungen zu Themen wie Machtausübung und -kontrolle sowie zu Sexualität. Ein weiterer Schwerpunkt sei die stärkere Einbindung von Frauen in die Kirche. Das Bistum Osnabrück sei da bereits "vorbildlich" aufgestellt. Ab Mai stünden in vier von zehn Verwaltungsabteilungen Frauen an der Spitze.

Auch Fälle geistlichen Missbrauchs verfolgen

Pilters kündigte auch eine Initiative zum bislang nur eingeschränkt möglichen Predigtdienst von Frauen an. Bischof Bode sagte seine Unterstützung zu.

Zukünftig sollen laut Bode auch Fälle geistlichen Missbrauchs verfolgt und aufgearbeitet werden. Darunter fielen Manipulationen durch Seelsorger in der geistlichen Begleitung von Menschen.

Betroffen seien etwa Menschen mit schwachem eigenen Willen, denen unter dem Deckmantel des "Willen Gottes" der eigene Wille aufgedrückt wurde. Dies sei nicht strafrechtlich zu verfolgen, könne sich allerdings ebenso schädigend auswirken. "Wir hoffen, dass Betroffene sich melden", so Bode. Inzwischen gebe es im Bistum zwei eigens für die Gruppe ernannte Beauftragte.

Quelle:
KNA
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