Haiti erlebt erneut schlimmes Erdbeben

Auch kirchliche Gebäude zerstört

Nach dem schweren Erdbeben im Süden Haitis ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 700 gestiegen. Hunderte Menschen wurden verletzt, darunter auch der Kardinal des Karibikstaates. Papst Franziskus bittet um weltweite Unterstützung.

Haiti, Les Cayes: Die Herz-Jesu-Kirche ist nach einem Erdbeben beschädigt / © Delot Jean (dpa)
Haiti, Les Cayes: Die Herz-Jesu-Kirche ist nach einem Erdbeben beschädigt / © Delot Jean ( dpa )

Papst Franziskus sagte am Sonntag im Vatikan, er hoffe, dass die internationale Gemeinschaft mit großer Solidarität die Folgen der Tragödie lindern könne. Seine Gedanken seien bei der ganzen Bevölkerung Haitis und er bete für die Toten und Verletzten.

Der lateinamerikanische Bischofsrat CELAM appellierte gemeinsam mit anderen Organisationen an die internationale Gemeinschaft, Haiti brauche Unterstützung in diesem Moment der Unsicherheit, aber auch angesichts der länger anhaltenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise. Am 7. Juli war Präsident Jovenel Moise ermordet worden, der seit 2015 mit Unterbrechungen und zuletzt ohne Parlament an der Macht war.

Haitis Kardinal Langlois bei Erdbeben verletzt

Der haitianische Kardinal Chibly Langlois (62) ist bei dem schweren Erdbeben am Samstag verletzt worden. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz des Karibikstaates sei jedoch nicht in Lebensgefahr, sagte der Haiti-Direktor der Hilfsorganisation Catholic Relief Services (CRS) dem kirchlichen Portal "ACI Prensa". Langlois ist Bischof der besonders vom Erdbeben getroffenen südwestlichen Hafenstadt Les Cayes.

Das Epizentrum des schweren Erdbebens am Samstagmorgen (Ortszeit) lag unweit der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud im Südwesten Haitis, rund 140 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Erschütterungen der Stärke 7,2 waren bis nach Jamaika und die Dominikanische Republik zu spüren. Haitis Übergangs-Präsident Ariel Henry ordnete den Ausnahemzustand für den Staat an.

Gebäude wie Kartenhäuser eingestürzt

2010 hatte es auf Haiti ein Erdbeben der Stärke 7,0 gegeben, dem etwa 300.000 Menschen zum Opfer fielen, 1,5 Millionen wurden obdachlos. Im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre leben rund 4,4 Millionen der etwa 11 Millionen Haitianer unter der Armutsgrenze.

Besonders betroffen sind die Städte Les Cayes und Jeremie; das Dach der Kathedrale von Jeremie sowie weitere Kirchen, Schulen und Krankenhäuser in der ganzen Region seien eingestürzt.

Unterdessen sind Nothilfemaßnahmen gestartet worden, darunter durch das Team von Malteser International. "Wir rechnen damit, dass das Beben von heute verheerende Folgen haben wird", erklärte die Organisation am Samstagabend in Köln. Die Steinhäuser in der betroffenen Region seien sehr einfach gebaut, lokale Partnerorganisationen berichteten, dass Gebäude wie Kartenhäuser eingestürzt seien, so die Malteser.

Die Welthungerhilfe stellt 100.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung und bereitet mit Partnerorganisationen Hilfsmaßnahmen vor, wie es am Sonntag in Bonn hieß. Angesichts der Armut und schlechten Infrastruktur des betroffenen Gebietes sei es eine "Herausforderung", die Dörfer und zerstörten Hospitäler mit Hilfsgütern zu erreichen. Vielen Menschen, die nicht nur das letzte große Erdbeben, sondern auch den Hurricane Matthew 2016 erlebt hätten, zerstöre die aktuelle Katastrophe erneut ihre Existenzgrundlagen.

Unicef versucht Hilfsbedarf zu ermitteln

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef berichtete, Teams vor Ort seien "überwältigt" angesichts der Not. Derzeit versuchten sie, den dringendsten Hilfsbedarf zu ermitteln und gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen und Behörden die Hilfe für die betroffenen Familien anzuschieben. Vor allem die Kinder brauchten jetzt Notunterkünfte, medizinische Hilfe, sauberes Wasser und besonderen Schutz.

Die Kinderschutzorganisation Save the Children erklärte, Mitarbeiter vor Ort berichteten von "entsetzlichen Verwüstungen", zahlreichen Verletzten und Toten. Die Hilfsorganisationen I.S.A.R. Germany und der Bundesverband Rettungshunde (BRH) kündigten am Sonntag die sofortige Entsendung eines fünfköpfigen Expertenteams aus den Bereichen Management internationaler Katastropheneinsätze, Medizin sowie Suche und Rettung von Verschütteten in die Erdbebenregion an.

Handicap International (HI) verwies am Sonntag in München darauf, dass Menschen mit Behinderung, Frauen, Kinder und ältere Menschen meist am ehesten von solchen Katastrophen betroffen seien. Daher rechne man "mit einem enormen Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen". Darüber hinaus hätten die Menschen ein schweres Trauma erlitten und benötigten auch psychosoziale Unterstützung.

Chibly Langlois / © Harald Oppitz  (KNA)
Chibly Langlois / © Harald Oppitz ( KNA )
Papst Franziskus winkt den Gläubigen / © Riccardo De Luca/AP (dpa)
Papst Franziskus winkt den Gläubigen / © Riccardo De Luca/AP ( dpa )
Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Quelle:
KNA
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