Tatsächlich sind für Heino Falcke Evolution und Schöpfung keine Gegensätze, genauso wenig wie Naturwissenschaften und Glaube. Er selbst ist in beiden Welten zu Hause, als Professor für Astrophysik an der Radboud-Universität im niederländischen Nijmegen und als Laienprediger in seiner evangelischen Heimatgemeinde in Frechen. Dass Gott existiert, davon ist er überzeugt. "Die Frage ist nur, wer oder was ist Gott?"
Seit Jahrzehnten forscht Heino Falcke in internationalen Zusammenhängen und bedauert, dass unter den Kolleginnen und Kollegen "die theologische Sprachfähigkeit" weitestgehend verschwunden sei. "Wir reden über das Funktionieren der Welt, aber nicht über ihr Wesen."
Er verknüpft in seinen beiden, für ein breites Publikum geschriebenen Büchern "Licht im Dunkeln. Schwarze Löcher, das Universum und wir" und "Zwischen Urknall und Apokalypse. Die große Geschichte unseren Planeten" modernste wissenschaftliche Erkenntnisse mit Fragen nach dem Dahinter, also den Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnisfähigkeit: "Wenn man immer weiterfragt und nicht haltmacht, kommt man an der Gottesfrage nicht vorbei."
Die Schöpfungsgeschichte, wie sie im Buch Genesis im Alten Testament erzählt wird, zeichne im Grunde in literarischer Sprache nichts Anderes nach, als was die Wissenschaft viel später in den Theorien von Urknall und Evolution formuliert habe, meint der Astrophysiker. Auch am Anfang der wissenschaftlichen Schöpfungsgeschichte, betont Falcke weiter, stünden heute die Naturgesetze, sie seien "gottgegeben, abstrakt und nicht dinglich". "Wer oder was sie gesprochen hat", könne die Wissenschaft nicht wissen.
Auf andere Grundlagen des Zusammenlebens zurückgreifen
Beim von kosmischen Bildern und Saxophonklängen untermalten Gespräch in Sankt Maria im Kapitol in Köln gibt Heino Falcke nicht nur einen Überblick über die großen Entwicklungen vom Anfang des Universums bis heute, er spricht auch über aktuelle Herausforderungen wie den Umgang mit KI, die gefährliche Machtkonzentration in den Händen einiger weniger Tech-Milliardäre und deren Expansionsfantasien.
In einer Zeit, in der menschliches Zusammenleben immer stärker von Technik bestimmt wird, sieht der Astrophysiker auch die Kirchen gefragt. Gerade jetzt sei es wichtig, auf andere Grundlagen des Zusammenlebens zurückzugreifen und sich auf den Glauben einzulassen, der uns eine ganz andere Dimension und ganz andere Werte vermittele als Technik es je vermöge. "Kein Computer wird uns jemals sagen können, was ein Mensch ist, was der Wert eines Menschen ist."
"Evolution oder Schöpfung? Sind Naturwissenschaften und Glaube miteinander vereinbar?" Der Radioastronom Prof. Heino Falcke im Gespräch mit Hilde Regeniter von DOMRADIO.DE; 25.2.26, 19 Uhr, Sankt Maria im Kapitol.