Am zweiten Weihnachtstag wird dem Märtyrer Stephanus gedacht

Der Weihnachtsidyll-Zerstörer?

Eben noch die friedliche Szene mit Krippe, Hirten und Engel - dann folgt am zweiten Weihnachtstag direkt die brutale Erzählung vom Heiligen Stephanus, der als erster Glaubenszeuge sein Leben für Jesus verliert. Was steckt dahinter?

Steinigung des hl Stephanus (KNA)
Steinigung des hl Stephanus / ( KNA )

Passend zum Fest des Heiligen Stephanus begeht die Katholische Kirche am 26. Dezember den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen. 

Christmette im Kölner Dom / © Nicolas Ottersbach (DR)
Christmette im Kölner Dom / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Angesichts der aktuellen Terrordrohungen gegen christliche Gebäude wie dem Kölner Dom, erscheint die Erzählung aus Bibel über Stephanus nicht mehr so weit weg wie manchmal auch das aktuelle Schicksal von Christen in vermeintlich fernen Ländern. 

So konkret heute die Gefahr für Christen weltweit ist, so bizarr erscheinen manche Brauchtümer im Zusammenhang mit dem Heiligen Stephanus. 

Teilweise zerstörte Kirche Al-Tahira Al-Kubra in Karakosch im Irak / © Uygar Onder Simsek (KNA)
Teilweise zerstörte Kirche Al-Tahira Al-Kubra in Karakosch im Irak / © Uygar Onder Simsek ( KNA )

So zum Beispiel das kollektives Betrinken zu Ehren eines Heiligen: Das ist der zweite Weihnachtsfeiertag, vor allem im Münsterland. Das Trinkgelage ist einem westfälischen Brauch geschuldet und der heißt "Stephanus Steinigen": ein Betrinken im Dienst der Frömmigkeit.

Eine Regel lautet sogar: Wer ohne Stein in der Tasche in die Kneipe geht, muss eine Lokalrunde zahlen.

Merkwürdige Brauchtümer zu Stephanus

Wie passen die westfälischen Trinkgelage mit dem brutalen Tod des Märtyrers Stephanus zusammen?

Gar nicht, sagen Brauchtumsforscher. Es habe sich als eine Art Ausrede zum Weiterfeiern entwickelt. Der ernste Stephanustag scheint auf den ersten Blick ja auch nicht zu Weihnachten zu passen. Schon am zweiten Tag des Hochfestes der Geburt Jesu feiert die Kirche den Tod: und zwar ihres ersten Glaubenszeugen.

Josef, Maria und das Jesuskind im Stall mit Ochse und Esel, Szene der Milieukrippe in der Kirche Sankt Lyskirchen in Köln / © Harald Oppitz (KNA)
Josef, Maria und das Jesuskind im Stall mit Ochse und Esel, Szene der Milieukrippe in der Kirche Sankt Lyskirchen in Köln / © Harald Oppitz ( KNA )

Das Holz der Krippe, so heißt es, verweist auch auf das Holz des Kreuzes, also auf Leid und Tod. Im Stundenbuch steht dazu: "Die Nähe des Stephanustages zum Weihnachtsfest zeigt, dass der christliche Glaube auch an Weihnachten das Kreuz nicht ausblendet. (...) Die Liturgie ist an diesem Tag gar nicht weihnachtlich, sondern ganz vom Mut des Stephanus zu freiem Bekenntnis geprägt."

Stephanus war fast so alt wie Jesus

Kurz nach der Geburt Jesu beginnt die Geschichte des Stephanus. Historiker schätzen, dass er nur wenige Jahre nach Jesus geboren wird. Stephanus gehört zu den ersten Christen und lebt in Jerusalem.

Zum ersten Mal tritt er in der Apostelgeschichte in Erscheinung, nachdem die Jünger Jesu ihn und sechs weitere zu ihren Helfern erwählen: Stephanus ist einer der ersten Diakone der Christenheit. "Er ging umher, Gutes tuend … getrieben vom Heiligen Geist, redete er mit Kraft und Vollmacht, erweckte die Herzen und wirkte große Zeichen und Wundertaten im Volk", so steht es in der Apostelgeschichte geschrieben.

Stephanus ist aber auch ein Mann, über den sich viele Juden ärgern. Denn er hält wenig vom Tempelkult und einer sklavischen Befolgung der Tora. Stattdessen verkündet er die frohe Botschaft Christi.

Sein Bekenntnis wird ihm zum Verhängnis

So gewinnt Stephanus viele Juden für die christliche Urgemeinde – und zieht den Zorn der Juden aus der Synagoge auf sich. Sie berufen schließlich eine Volksversammlung ein, vor der er sich verantworten muss.

In einem Heiligenbuch heißt es: "Nun hält Stephanus eine glänzende Rede vor dem Hohen Rat. Er beschämt darin auch die geschultesten der gelehrten Gesetzeslehrer. Er beweist ihnen die Halsstarrigkeit des auserwählten Volkes, das die Gnadenführung Gottes nicht erkannt hat"

Chumasch - die Thora in Buchform / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Chumasch - die Thora in Buchform / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

Stephanus gibt vor dem Hohen Rat die ganze Geschichte des Volkes Israel wieder – von den Patriarchen über Moses bis zu Jesus. Seine Rede ist einer der längsten Monologe, der in der Bibel zu finden ist.

Stephanus wird Gotteslästerung vorgeworfen

Schließlich wirft Stephanus seinen Zuhörern vor, sich dem heiligen Geist zu widersetzen. So, wie es schon ihre Vorfahren getan hätten: "Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid! Ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber es aber nicht gehalten habt!"

Weil Stephanus dadurch Jesus neben Gott stellt, wird ihm jetzt Gotteslästerung vorgeworfen. Seine Zuhörer sind empört, so sehr, dass sie mit den Zähnen knirschen, heißt es in der Apostelgeschichte. Stephanus aber setzt noch einen drauf: "Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!"

Stephanus wird gesteinigt – Paulus ist dabei

Das ist zu viel für seine Zuhörer. Sie stürzen sich auf ihn. Um ihre Kleider nicht zu beschmutzen, legen sie die Gewänder ab und geben sie einem Mann namens Saulus von Tarsus – er wird sich später bekehren und unter dem Namen Paulus als Volksapostel in die Geschichte eingehen.

Jetzt aber sieht er der Steinigung zu und hört Stephanus schreien: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" Und dann: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!" Nach diesen Worten stirbt Stephanus.

Was aus den Steinen so alles geworden ist

Auf die Steine, die ihn getötet haben, sollen wohl die Dominosteine auf dem Weihnachtsteller hinweisen, sagen Brauchtumsforscher heute. Auch das hat nichts mit den Todesumständen des Stephanus zu tun.

Immerhin: Seit 203 ist der 26. Dezember in Deutschland der Tag, an dem der verfolgten Christen weltweit gedacht wird. Stephanus gilt als der erste, der der Christenverfolgung zum Opfer fiel.

Weihnachten

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Wann genau vor etwa 2.000 Jahren Jesus geboren wurde, ist nicht bekannt. Die Feier des 25. Dezember als Geburtsfest Jesu ist erstmals für das Jahr 336 in Rom bezeugt.

Weihnachten heißt so viel wie heilige, geweihte Nächte. Die Geburt Jesu bedeutet nach christlichem Verständnis die Menschwerdung Gottes; in Jesus hat sich Gott den Menschen mitgeteilt, sich in ihre Geschichte hinein begeben, sich ihrer erbarmt und ihnen Heil geschenkt. Deshalb gilt Weihnachten als Fest der Liebe.

Weihnachtsbaum / © Bernd Weissbrod (dpa)
Weihnachtsbaum / © Bernd Weissbrod ( dpa )
Quelle:
DR