Analyse der Bayernwahl von zwei Kirchenvertretern

AfD nachgegrast und Kompass aus dem Auge verloren

Zäsur, Debakel, historischer Absturz – das Wahlergebnis der CSU bei der Landtagswahl in Bayern kennt viele Umschreibungen. Die Suche nach Gründen und Schuldigen hat noch am Wahlabend begonnen – auch bei Kirchenvertretern.

Dunkle Wolken hinter CSU-Fahnen / © Oliver Weiken (dpa)
Dunkle Wolken hinter CSU-Fahnen / © Oliver Weiken ( dpa )

Die CSU musste mit einem Minus von gut zehn Prozentpunkten bei der Landtagswahl in Bayern deutliche Verluste verzeichnen. Mit 37,2 Prozent fahren die Christsozialen damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950 ein. Die Analyse zweier sehr unterschiedlicher Kritiker der Christsozialen gleicht sich in einigen Punkten.

Schießler und Maier mit ähnlicher Analyse

Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler sieht im Umgang der CSU mit dem Thema Flucht und Migration einen Teil des Problems der Partei. Auf der einen Seite zu sagen, man danke den Ehrenamtlichen und den Fluchthelfern und auf der anderen Seite verachtende Hetze, wie man es eigentlich nur von der AfD kenne, das passe nicht zusammen, erklärte Schießler im Interview mit DOMRADIO.DE.

Umgang mit Thema Flucht und Migration

Auch der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemalige bayrische Kultusminister, Hans Maier, sieht im Rechtsruck der CSU einen Grund für das schlechte Abschneiden der Partei. Verächtlich zuspitzende Formulierungen wie "Asyltourismus" oder "Sozialschmarotzer" seien schlimm und gefährlich, so Maier. Die CSU habe Wähler beim Versuch verloren, die rechte Flanke der Parteienlandschaft zu schließen, analysiert Maier: "Sowohl enttäuschte Christen als auch frustrierte Liberale haben die CSU verlassen - nicht mehr gewählt."

"Denkzettel für die CSU"

Die Menschen in Bayern hätten der CSU einen Denkzettel dafür verpasst, der AfD "nachzugrasen" anstatt sie einfach zu ignorieren stimmt Pfarrer Schießler zu. Der deutliche Verlust an Stimmen sei abzusehen gewesen - vor allem bei jungen Leuten und Großstädtern. Schießler sieht zumindest in seinen Pfarreien in der Landeshauptstadt deutliche Parallelen zwischen einer zunehmenden Sympathie mit den Grünen und dem, wie sich die Menschen die Kirche vorstellen.

Christliches Profil verloren gegangen

Hans Maier, sechs Jahre lang bayrischer Kultusminister und überzeugter Katholik, habe seit Jahren davor gewarnt, dass die CSU ihren Kompass aus dem Auge verliere. Dabei liege dieser Kompass eigentlich im Namen. Rückbesinnung auf die Anfänge der Partei, auf christlich soziale Werte, sei der einzige Weg für die Zukunft - so die Meinung des ehemaligen ZdK-Präsidenten.

Quelle:
DR