Debatte über Abschaffung von Priesteramt in katholischer Kirche

95 zu 94 Stimmen

Der Synodale Weg will eine Debatte über die Frage anstoßen, ob es weiter Priester braucht. Das ist ein Ergebnis der Beratungen über einen Grundlagentext. Die Arbeitsgruppe soll der Frage nachgehen, ob es Priester brauche.

Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari (KNA)
Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari ( KNA )

Der Text trägt den Titel "Priesterliche Existenz heute". Die Synodalen entschieden am Freitagabend mit knapper Mehrheit, dass die dafür zuständige Arbeitsgruppe der Frage nachgehen soll, ob es Priester in der katholischen Kirche braucht. Für den Antrag stimmten 95 Synodale, 94 stimmten dagegen, 9 enthielten sich.

Diskussionen über den Sprachstil des Textes

Zu dem zwölfseitigen Grundlagen-Text "Priesterliche Existenz heute" hatte es 180 Eingaben gegeben. Mehrere Teilnehmer des Reformdialogs kritisierten bei der Aussprache mangelnde Tiefe. Andere Synodale würdigten den Text als gut verständlich. Trotz sehr vieler Vorbehalte sprach sich mit 149 Delegierten eine Mehrheit dafür aus, das Papier zur weiteren Bearbeitung in die Arbeitsgruppe zu überweisen.

Die Autoren empfehlen unter anderem, die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern, den Zölibat, auf den Prüfstand zu stellen. Es bestehe die Gefahr, "dass die zölibatäre Lebensform in die Isolation führt, wenn die Zeichenhaftigkeit von großen Teilen des Volkes Gottes nicht mehr mitgetragen wird". Zudem habe der Beruf des Priesters durch die verpflichtende Ehelosigkeit möglicherweise an Attraktivität verloren. Damit könne der Zölibat ein Grund für einen Mangel an Seelsorgern sein.

Einbettung ins "gemeinsame Priestertum aller Gläubigen"

Die Stellung des Priester sei einzubetten ins "gemeinsame Priestertum aller Gläubigen". Mit der Formulierung hatten die Bischöfe beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) versucht, die Lehre mit dem gesellschaftlichen Wandel in Einklang zu bringen. Der von der Synodalversammlung diskutierte Grundlagentext hält fest, dass die dahinter stehenden theologischen Überlegungen nicht in die Praxis umgesetzt worden seien.

Die Synodalversammlung ist das höchste beschlussfassende Gremium des Synodalen Wegs. Die Initiative, die es in dieser Form in der katholischen Kirche noch nie gab, war ursprünglich auf zwei Jahre angelegt. Nach derzeitigem Planungsstand soll sie jetzt 2022 enden. Gestartet hatten den Reformprozess vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals die deutschen Bischöfe mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Zentrale Themen sind Macht, die katholische Sexualmoral, die Rolle der Frau und das priesterliche Leben.

Der in Frankfurt diskutierte Grundlagentext nimmt darauf Bezug und sieht Mängel bei der Aufarbeitung. "Viele Vertuscher auf verantwortlicher Ebene stehen noch immer nicht zu ihrer moralischen Verantwortung, oft noch nicht einmal zu ihrer juristischen. Noch immer ducken sich zu viele, die darum wissen, weg."

Bischof Felix Genn / © Lars Berg (KNA)
Bischof Felix Genn / © Lars Berg ( KNA )
Quelle:
KNA
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