100. Todestag Erzbischof Antonius Kardinal Fischer

Gymnasiallehrer, Weihbischof, Kardinal

Noch vor dem bekannten Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings war im 20. Jahrhundert Antonius Kardinal Fischer der erste Kölner Erzbischof, der aus dem Erzbistum stammend direkt zum Erzbischof gewählt wurde. Vor 100 Jahren verstarb der wegen seiner Strenge gefürchtete Kardinal.

 (DR)

Antonius Fischer wurde am 30. Mai 1840 in Jülich als Sohn des Lehrers Wilhelm Joseph Fischer und dessen Ehefrau Anna Margareta Horrig geboren. Er besuchte das Gymnasium in Jülich sowie in Köln das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Anschlie-ßend studierte er in Bonn und Münster Theologie und Philosophie. Nach Absolvierung des Priesterseminars in Köln wurde er am 2. September 1863 zum Priester geweiht.



Von 1864 bis 1889, also auch während des Kulturkampfes, den Reichskanzler Otto von Bismarck gegen die deutschen Katholiken führte, war Fischer Religionslehrer am Königlichen Gymnasium in Essen, unterrichtete daneben ebenso die Fächer Hebräisch, Griechisch, Latein, Geschichte und Geografie. Im Jahre 1884 wurde er von der Universität Tübingen mit der Dissertation "De salute infidelium" (Über das Seelenheil der Ungläubigen) zum Doktor der Theologie promoviert. Sein Schuldienst endete mit seiner Konsekration zum Kölner Weihbischof am 1. Mai 1889.



In den mehr als 10 Jahren seiner Tätigkeit als Weihbischof lernte Dr. Antonius Fischer nicht nur das Erzbistum auf Firm- und Visitationsreisen kennen, sondern stand auch auf den Listen als Bischofskandidat in den Bistümern Münster, Osnabrück und Paderborn sowie schon 1899 auch im Erzbistum Köln für die Wahl des Erzbischofes. Doch erst nachdem der im Jahre 1900 von Paderborn nach Köln berufene Erzbischof Hubertus Theophilus Simar an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben war, die er sich auf einer Firmreise zugezogen hatte, wurde Weihbischof Fischer am 6. November 1902 zum Kölner Erzbischof gewählt. Er trat sein neues Amt am 19. März 1903 an und schon am 22. Juni 1903 verlieh ihm Papst Pius X. die Kardinalswürde.



Ein bewegte Zeit

Auch wenn Kardinal Fischer nur neun Jahre als Kölner Erzbischof im Amt war und die Zeitverhältnisse im zweiten Kaiserreich auf den ersten Blick relativ stabil erschienen, war seine Amtszeit eine kirchlich-theologisch doch sehr bewegte Zeit, die nun erstmals begonnen wird, auf breiter Quellengrundlage über das Historische Archiv des Erzbistums Köln hinaus zu erforschen. Denn es waren innerkirchlich sehr spannungsreiche Jahre, in denen es sowohl die Furcht vor dem "Modernismus" gab als auch die von Papst Pius X. eingeführte "Früh-Kommunion der Kinder". Kardinal Fischer unterstützte u. a. die Arbeit des "Volksvereins für das katholische Deutschland" mit Sitz in Mönchen-Gladbach auf sozialpolitischem Gebiet. Der stets bescheiden und asketisch auftretende Kardinal setzte sich für die Förderung der Marien- und Herz-Jesu-Frömmigkeit ein und engagierte sich vehement und "ökumenisch" für die katholische Arbeiterschaft in interkonfessionellen Gewerkschaften.



Kardinal Fischer starb am 30. Juli 1912 während eines Kuraufenthaltes in Bad Neuenahr. Seine sterblichen Überreste wurden in der bischöflichen Gruft im Kölner Dom beigesetzt. Zu seinen Lebzeiten wurden soll unter jungen Kaplänen zu dem wegen seiner Strenge gefürchteten Kardinal Anton der Spruch kursiert sein, sie suchten "ein Pöstchen, ohne Pastörchen, ohne Nönnchen und ohne Antönchen".

(Willi Spiertz/Reimund Haas)